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49ers Germany

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Beyond the Horizon – Episode 52: Neue Head Coaches Special mit den Houston Texans Fans Germany

14 min read

Herzlich Willkommen zu einer Special Edition von „Beyond the Horizon“. In dieser Ausgabe geht es um einen der neuen Head Coaches in der NFL. Heute geht es um David Culley und die Houston Texans. Wir sprechen mit den Houston Texans Fans Germany über den entlassenen Bill O´Brien, Interims Head Coach Romeo Crennel und natürlich auch über Deshaun Watson. Viel Spaß!

Special: Neue Head Coaches zur Saison 2021

Head CoachTeamFanclubAusgabe
Robert SalehNew York JetsGang Green GermanyNr. 47
Arthur SmithAtlanta FalconsAtlanta Falcons GermanyNr. 48
Urban MeyerJacksonville JaguarsJax EliteNr. 49
Nick SirianniPhiladelphia EaglesPhiladelphia Eagles Fanclub Germany e.V.Nr. 50
Brandon Staley Los Angeles ChargersDie Hard Bolt Club GermanyNr. 51
David CallyHouston TexansHouston Texans Fans GermanyNr. 52
Dan CampbellDetroit Lions

Hallo liebe Freunde von Houston Texans Fans Germany! Rund um die Houston Texans ist ja derzeit eine Menge los. Angefangen mit der Entlassung von Head Coach Bill O´Brien, einem Trade von Quarterback Deshaun Watson, der Entlassung von J.J. Watt und der Vorstellung von David Culley als neuem Head Coach. Bevor wir ihn die eigentlichen sportlichen Themen einsteigen, wie fühlt man sich derzeit als Fan der Texans?

Houston Texans Fans Germany: Guten Tag Frank!

Aktuell herrscht eine sehr gedrückte Stimmung bei uns, die ganzen Themen wie die Entlassung von JJ Watt ziehen die Laune doch stark nach unten. Besonders schlimm ist die Personalie Jack Easterby, Bill O’Briens langjähriger Freund und eine Art Mentor für unseren CEO Cal McNair. Easterby war maßgeblich an der Verpflichtung von Nick Caserio als General Manager beteiligt, der ihn bereits aus seiner Zeit bei den Patriots kannte.

Bill O`Brien war sieben Spielzeiten lang der Head Coach der Houston Texans. 52 Siegen stehen 48 Niederlagen in der Regular Season gegenüber. Insgesamt sammelte man trotzdem vier Division Titles und in fünf Spielzeiten hatte man unter O`Brien einen positiven Record. Von sechs Postseason Begegnungen gewann man lediglich zwei. Nach dem 0-4-Start in die Saison 2020 kam dann das Ende. Kam die Entlassung von Bill O´Brien zu diesem Zeitpunkt für Euch überraschend, oder war die Trennung schon zu spät?

Houston Texans Fans Germany: An der Entlassung von O’Brien scheiden sich die Geister. Mit den von dir aufgeführten Statistiken und Titeln war er der bisher erfolgreichste Trainer in der kurzen Franchise Geschichte. Dennoch muss man feststellen, dass er aus dem Potential des Teams viel zu wenig gemacht hat. Zudem konnte O’Brien schlecht delegieren. Als Head Coach und General Manager konnte er kaum am Game Plan mitwirken, hat aber trotzdem fast ausschließlich selbst die Spielzüge angesagt. Auch in der letzten Saison, wo er diese Verantwortung offiziell an Tim Kelly übertragen wollte, hat er sich immer noch ständig ins Play Calling eingemischt.

Im Nachhinein war der Cut leider zu spät. Man hätte sich schon nach dem Playoff-Aus gegen die Kansas City Chiefs in der Saison 2019 trennen sollen, dann wären uns Texans Fans viel Kummer erspart geblieben. Leider ist unsere Owner-Familie viel zu geduldig, es musste schon eine Spielerrevolte her, damit O‘Brien endlich entlassen wurde.

In der Gesamtbetrachtung der Bill O‘Brien Ära muss man sicherlich das Coaching und die Arbeit im Front Office trennen. 2019 und 2020 (dann auch offiziell) übernahm O‘Brien neben seinen Aufgaben als Head Coach auch die Position des General Managers. Aber auch schon zuvor „glänzten“ die Texans mit merkwürdigen Personalentscheidungen in den vergangenen Spielzeiten (z.B. Jadeveon Clowney, Laremy Tunsil, DeAndre Hopkins). Wie bewertet Ihr die Zeit von Bill O’Brien bei den Texans unter beiden Gesichtspunkten?   

Houston Texans Fans Germany: Bill O’Brien war ein Trade Guy, der keinen Sinn für Value hatte. Die Personalentscheidungen waren an sich nachvollziehbar. Laremy Tunsil war das dringend benötigte Upgrade der Offensive Line und hat die Einheit merklich stabilisiert. Auch die Abgabe von Jadeveon Clowney war sportlich richtig, da er leider nicht der produktive Pass Rusher ist, als der er gerne bezahlt werden wollte. Die letzten zwei Jahre haben da O’Brien Recht gegeben.

Die in den Trade jeweils erhaltenen bzw. gezahlten Gegenwerte waren natürlich eine Katastrophe, insbesondere beim Hopkins Trade. Auch die Art und Weise, wie er mit Personal umging, war häufig wirklich unprofessionell, wobei der Hopkins Trade abermals heraussticht. Das war wohl auch der Moment, an dem O’Briens bis dato recht gutes Verhältnis zu seinen Spielern anfing zu bröckeln. 

Auch sein Coaching war oft eher fragwürdig. In Deshaun Watsons Rookie Jahr hat er notgedrungen eine Offense spielen lassen, die mit vielen Bausteinen aus dem College gespickt war und sehr gut funktioniert hatte. Statt darauf aufzubauen, hat O’Brien nach Watsons Verletzung versucht, Deshaun in seine lauflastige, veraltete Offense zu zwängen, die hinter einer schlechten Offensive Line niemals funktionieren konnte. Selbst als die O-Line deutlich verbessert wurde, hat O’Briens Ansatz nicht funktioniert, da er sich einfach nicht an den Stärken des Kaders ausgerichtet hat.

Aber nicht nur O’Briens Play Calling war ziemlich schlecht, auch die meisten Mitglieder seines Staffs waren eine ziemliche Katastrophe. Alles in allem hat sich O’Brien durch seine Zeit hier mehr oder weniger durchmanövriert und seine Erfolge mehr der Qualität der Spieler als seinen Fähigkeiten als Coach zu verdanken. Da aber General Manager O’Brien dafür gesorgt hat, dass die Qualität des Kaders immer weiter abnahm, wurden eben auch die Defizite des Head Coach O’Brien immer offensichtlicher.

Nun wagen die Texans mit dem neuen General Manager Nick Caserio (kam von den New England Patriots) den Neustart. Erste Aufgabe von Caserio sollte die Head Coach Suche sein, doch zunächst musste er sich mit der Unzufriedenheit von Quarterback Deshaun Watson und einer Tradeforderung herumschlagen. Ein ungünstiger Start. Wie kam es zu dieser Situation und seht Ihr einen Ausweg für die Texans?  Wird Watson bei den Texans bleiben?

Houston Texans Fans Germany: Vorab: Die Suche nach dem neuen General Manager war ziemlich nebulös. Die Texans hatten in der Vergangenheit mehrmals erfolglos versucht, Nick Caserio von den Patriots loszueisen. In diesem Jahr hatten aber weder die engagierte Beraterfirma noch die zurate gezogenen Größen aus dem Ligaumfeld (in den Medien häufig als Committee bezeichnet) Caserio groß auf dem Schirm, weshalb seine Verpflichtung ziemlich überraschend kam. Berichten zufolge hatten die Texans bereits einem anderen Kandidaten den Job angeboten, bevor Jack Easterby einschritt und Cal McNair von Caserio überzeugte. Der frühere Prediger Easterby steht schon seit längerem in der Kritik, da er bei dem Versuch, eine gewisse Kultur im Team zu etablieren, diverse Grenzen übertreten haben soll. Manche sehen zum Beispiel in ihm den treibenden Faktor hinter dem Hopkins Trade.

Bis heute hat sich Watson nicht dazu geäußert, warum genau er eigentlich aus Houston wegwill. Da die ersten Gerüchte über Watsons Unzufriedenheit direkt nach Caserios Verpflichtung aufgekommen sind, vermuten wir hier einen direkten Zusammenhang. Cal McNair hat Deshaun ein Mitspracherecht bei der General Manager und Head Coach Suche in Aussicht gestellt, aber stattdessen Easterbys Wunschkandidaten geholt ohne Watson darüber zu informieren. Man darf annehmen, dass weder der Abgang von J.J. Watt noch das Verbleiben von Cal McNair und Jack Easterby Deshaun in irgendeiner Weise positiver gestimmt haben. Auch mit Watsons Wunschcoach, Eric Bieniemy, konnten sich die Texans nicht einigen.

Auch die aktuellen Anschuldigungen laden zu Spekulationen ein. Hat Watson vielleicht einen Trade gefordert, weil er vor den juristischen Konsequenzen fliehen wollte?

Eins steht auf jeden Fall fest: Die Causa Watson nagt an der Fan-Seele. Bereits jetzt wollen viele Fans schon, dass man ihn tradet, und sei es nur, um endlich Ruhe zu haben. Auch ich selbst bin mittlerweile für einen Trade, damit man mit einem jungen Quarterback wie Zach Wilson einen Neustart nach der O’Brien Ära machen kann. Die Anschuldigungen helfen da natürlich wenig. Sollte dann an den Vorwürfen tatsächlich was dran sein, wird er für die Fanbase kaum noch tragbar sein.

Momentan scheint es so, dass die Texans unabhängig von dem Ausgang der Klagen Watson halten wollen, so ausweglos dieses Vorhaben auch erscheint. Nick fährt wohl die Schiene: „Du hast den Vertrag unterschrieben, also halt dich dran!” Es bleibt also weiter spannend.

Aus der schwierigen Suche nach einem neuen Head Coach zauberte Nick Caserio einen Namen aus dem Hut, mit dem man angesichts von zahlreichen Interviews mit heiß gehandelten Kandidaten wie zum Beispiel Eric Bieniemy (Offensive Coordinator Kansas City Chiefs) nicht unbedingt gerechnet hatte. Neuer Head Coach der Houston Texans wurde David Culley. In den vergangenen Jahren arbeitete er als Assistant Head Coach, Wide Receivers Coach und Passing Game Coordinator bei den Baltimore Ravens. Culley gilt als kommunikativer Coach, dem man zutraut, den Locker Room für sich gewinnen und einen zu können. Was haltet Ihr von der Wahl? Hättet Ihr gerne Romeo Crennel weiter als Head Couch bei den Texans gesehen? 

Houston Texans Fans Germany: Romeo Crennel war für uns überhaupt keine Option als Head Coach. Der mittlerweile 73-jährige war einfach zu stur, um von seinem veralteten System abzurücken. Trotz einer verschenkten Saison gab er den jungen Spielern wenig bis gar keine Spielzeit. Da wir das letzte Team waren, dass einen Head Coach brauchte, und Bieniemy noch zur Verfügung stand, habe ich mich schon insgeheim auf ihn gefreut. Er galt als Watsons Wunschkandidat und der letzten Chance, ihn noch von einem Verbleib zu überzeugen.

Als wir kurz vor dem Super Bowl die Verpflichtung von David Culley bekanntgaben, war die Fanbase natürlich erst einmal verwirrt. Es kursierten Gerüchte, dass Eric Bieniemy neben einem fürstlichen Gehalt auch Mitspracherecht bei der Kaderzusammenstellung haben wollte, was für einen Coach ohne vorherige Head Coaching Erfahrung schon etwas ungewöhnlich ist. Möglicherweise weiß Bieniemy aber auch mehr über die Situation um Deshaun und hat deshalb abgelehnt.

Mit der Personalie Culley mussten wir uns erstmal vertraut machen, da er nicht unbedingt zu den offensichtlichen Kandidaten gezählt hat. Der 65-jährige ist unter Spielern und Coaches sehr beliebt und respektiert, auch wenn sein Track Record als Coach nicht der allerbeste ist. Unter anderem war er in dem Jahr der Wide Receiver Coach in Kansas City, als die Einheit in der gesamten Saison keinen einzigen Touchdown fing. Seine kommunikativen Fähigkeiten sind wohl der Hauptgrund für seine Verpflichtung, da man ihm zutraut, bei dem großen Umbau, den er und Caserio gerade vorantreiben, Spieler, Mitarbeiter und Fans bei Laune zu halten.

Wir haben noch einige Baustellen zu schließen und Fragezeichen zu klären: Können wir die katastrophale Defense in den Griff bekommen? Wie sieht eine Offense aus, die ohne Fuller und vielleicht sogar Watson auskommen muss? Die Verpflichtung von Lovie Smith als Defensive Coordinator muss man sehr befürworten, ebenso entließ man den O-Line Coach und hat neuen Wind ins Coaching Staff gebracht. Keiner der geholten Coaches von Culley scheint eine schlechte Personalie zu sein.

Ein Blick auf den neuen Coaching Staff: Als Offensive Coordinator verbleibt Tim Kelly aus dem vorherigen Staff bei den Texans. Ist dies ein Zugeständnis von Deshaun Watson oder wie seht Ihr die Arbeit von Kelly bei den Texans? Wird er auch der Play Caller sein?

Houston Texans Fans Germany: Da Culley selbst noch nie Plays gecallt hat, sondern zuletzt für das eher schlechte Passspiel der Ravens zuständig war, macht die Weiterbeschäftigung von Tim Kelly durchaus Sinn. Ich bin gespannt, ob er die guten Ansätze aus der Vorsaison weiterführen kann, wenn man ihn aus dem miesen Playbook von O’Brien herauslässt. Er ließ vor allem unsere Passing Offense deutlich besser aussehen, wodurch Watson das statistisch beste Jahr seiner Karriere hinlegte. Ohne die Suspendierung von Fuller wären wohl zwei Receiver auf über 1000 Yards gekommen und auch David Johnson hat trotz verletzungsbedingtem Ausfall insgesamt 1000 Combined Yards erreicht. Ich denke, wir brauchen einen Coach wie ihn, egal ob Watson spielt oder nicht. Ich könnte mir sogar eine akzeptable Season von Tyrod Taylor als Übergangslösung unter Kelly vorstellen, wobei dann ein hoher Pick in 2022 natürlich durchaus wünschenswert wäre.

Als Defensive Coordinator holt sich Culley mit Lovie Smith einen Gefährten, der bereits bei den Chicago Bears und Tampa Bay Buccaneers als Head Coach arbeitete. Zuletzt war er von 2016 bis 2020 der Head Coach von der University of Illinois. Sowohl Culley als auch Smith bringen sehr viel Erfahrung mit nach Houston. Was sind Eure Erwartungen an Smith und die Defense der Texans?

Houston Texans Fans Germany: Nach der katastrophalen Leistung der Defense war der Defensive Coordinator Posten der wohl am heißesten erwartete (nach dem Head Coach und dem General Manager). Lovie Smith war für uns ein ganz klares Upgrade. Man erwartet, dass Smith sein bewährtes Tampa 2 Scheme installiert, was besser zu den Stärken des Personals, insbesondere der Defensive Line, passen sollte. Die bisherigen Verpflichtungen bestätigen diese Vermutung. Vielleicht können wir von seiner Erfahrung vom College profitieren und ein paar Spieler von Illinois draften, um sich unter Culley und Smith weiterzuentwickeln. Da der diesjährige Draft für uns erst in der 3. Runde beginnt, nehmen wir jeden Vorteil, den wir kriegen können.

Smith hat noch einiges an Arbeit vor sich. Selbst mit Watt war unser Pass Rush in den letzten Jahren eher schwach und auch die Secondary konnte nicht wirklich glänzen. Wir hoffen, dass das neue Scheme zum Beispiel den Safeties Justin Reid und Lonnie Johnson hilft, die beide zuletzt selten konstant gespielt haben. 

Für die Defense der Texans wird der Verlust von Identifikationsfigur J.J. Watt sicher nicht einfach. Seit 2011 sammelte „Captain America“ in 128 Regular Season Games 101,0 Sacks für die Franchise. Nun wurde er auf seine Bitte hin entlassen. Wie sehr schmerzt der Verlust des Face of the Franchise die Texans sportlich und wie fühlt sich der Texans Fan?  

Houston Texans Fans Germany: Der Verlust von J.J. Watt schmerzt enorm und noch mehr, da mit Watson auch das zweite Gesicht des Franchises nicht mehr bei uns spielen möchte. J.J. war für fast alle deutschen Fans der absolute Lieblingsspieler, der sie zu den Texans gebracht hat. Kaum einer hat kein Trikot mit der 99 im Schrank. Auch ich selbst zähle mich dazu, auch wenn Arian Foster und Kevin Walter ebenfalls eine Rolle dabei gespielt haben.

Wie schwer der sportliche Verlust letztendlich wiegt, wird die Zeit zeigen. Da er zuletzt immer wieder verletzt war, sind seine Sackzahlen schon deutlich zurückgegangen. Allerdings wird Watt unserer Mannschaft als Leader und auch als Gesicht des Teams fehlen. Auch wenn der Abschied absehbar war, wird es noch einige Zeit dauern, darüber hinwegzukommen. Sobald er als Texan retired, wird hoffentlich auch die Nummer 99 nicht mehr vergeben.

Kurz gesagt: Watt ist für uns kein normaler Spieler. J.J. ist der Grund, warum wir Texans Fans sind. Für viele ist er der einzig würdige Erbe von Robert McNair und hoffentlich zukünftiger Besitzer dieses Teams. Keiner hat so viel Liebe und Herzblut in dieses Team und seine Stadt gesteckt wie J.J. Watt. Sein Trikot wird auf ewig meine und auch viele weitere Wände zieren.

Wir bedanken uns herzlich für das Resümee zum entlassenen Head Coach Bill O‘Brien sowie die Gedanken zum neuen Hauptübungsleiter und natürlich für die Bereitschaft bei dieser Sonderausgabe mitzumachen. Bis bald!