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26. Mai 2022

49ers Germany

Official 49ers Fan Chapter, part of Niner Empire.

Beyond the Horizon – Episode 65: Neue Head Coaches Special mit der Texans Nation D/A/CH

13 min read

Im dritten Teil des Specials von Beyond the Horizon zu den neuen Head Coaches geht es um die Houston Texans und den Wechsel von David Culley zu Lovie Smith. Über den alten und neuen Head Coach, die verwirrende Suche nach einem neuen Head Coach und auch über Deshaun Watson haben wir mit der Texans Nation D/A/CH gesprochen. Im ersten und zweiten Teil des Specials waren die Minnesota Vikings Fans Germany e.V. bzw. Big Blue Germany zu Gast. Dabei ging es um die neuen Hauptübungsleiter Kevin O’Connell und Brian Daboll. Viel Spaß!

Special: Neue Head Coaches zur Saison 2022

AusgabeHead CoachTeamFanclub
63Kevin O`ConnellMinnesota VikingsMinnesota Vikings Fans Germany e.V.
64Brian DabollNew York GiantsBig Blue Germany
65Lovie SmithHouston TexansTexans Nation D/A/CH
66Dennis AllenNew Orleans SaintsSaints Germany
Doug PedersonJacksonville JaguarsJax Elite
Nathanial HackettDenver BroncosDenver Broncos Germany
Mike McDanielMiami DolphinsMiami DolFans Germany
Matt EberflusChicago BearsGerman Bears Cave
Josh McDanielsLas Vegas RaidersRaider Nation Germany

Seid gegrüßt liebe Freunde von der Texans Nation D/A/CH! Vor gut zwölf Monaten haben wir auch innerhalb des Specials zu den neuen Head Coaches über David Culley und den entlassenen Bill O`Brian gesprochen. Habt Ihr auch erwartet, dass Culley nur eine Saison übersteht?  

Texans Nation D/A/CH: Wir waren uns auf jeden Fall bewusst, dass David Culley nur ein Übergangstrainer sein würde. Allerdings hatte ich schon damit gerechnet, dass man mit ihm durch die Zeit des Rebuilds gehen würde. Aus dieser Sicht ist die Entlassung nach einem Jahr schon etwas überraschend.

Die Houston Texans mit Head Coach David Culley wurden vor der Saison 2021 als Top Favorit auf den First Overall Pick im Draft 2022 angesehen. Doch die Texans gewannen immerhin vier Spiele und wurden nicht einmal Letzter in der AFC South. Wie fällt Eure sportliche Bilanz aus den vergangenen zwölf mit Head Coach David Culley aus?

Texans Nation D/A/CH: Die Texans haben von vielen Seiten ziemliches Feuer für die Entlassung gekriegt, weil das Team unter Culley die Erwartungen ja schon deutlich übertroffen hat. Allerdings werden die Gründe schnell nachvollziehbarer, wenn man etwas ins Detail geht.

Vorweg muss ich sagen, dass ich David Culley als sehr sympathischen und ehrlichen Menschen wahrgenommen habe. Leider muss man feststellen, dass Sympathie allein nicht ausreicht, um ein Head Coach zu sein. Denn seine Aussagen und sein Auftreten in der Öffentlichkeit zeigten, dass er diesem Job nicht gewachsen war. Dazu waren einige seiner Coaching Entscheidungen sehr seltsam und ließen den Eindruck aufkommen, als wenn er völlig überfordert gewesen wäre.

Beim Spiel gegen die Patriots stand New England kurz vor Schluss in der Redzone und konnte durch ein Field Goal in Führung gehen. Culley erhielt von Nick Caserio den Ratschlag, den Gegner einen Touchdown scoren zu lassen, damit die Offense noch eine Chance auf den Ausgleich hat. Im Interview sagte Culley nachher, dass ihm das falsch vorgekommen sei und er deshalb den Hinweis in den Wind schlug. Die Patriots spielten die Zeit runter und siegten durch ein Field Goal.

Absolut unvergessen bleibt die Situation, als unsere Offense bei 3rd and long bis etwa ein Yard vor die Line of Scrimmage kam, sich der Gegner aber eine Pre-Snap Penalty erlaubte. Das hätte dazu geführt, dass wir einen weiteren 3rd Down Versuch bekommen hätten, stattdessen hat Culley die Strafe abgelehnt und bei 4th and Short das Punt-Team aufs Feld geschickt.

In unserem letzten Saisonspiel wäre uns fast der Coup gelungen, unseren verhassten Divisionsrivalen Tennessee zu ärgern. Nach einem 21:0 Rückstand zur Pause kamen die Texans am Ende bis auf drei Punkte heran und hatten es nur einem verpassten Sack von Jacob Martin zu verdanken, dass das Spiel am Ende verloren ging. Normalerweise würde man den Head Coach für solch ein Spiel loben, da er in der Halbzeitpause anscheinend die richtigen Worte und Stellschrauben gefunden hat. Culley sagte aber in einem Radiointerview nach dem Spiel, dass er mit den Änderungen zur zweiten Hälfte nichts zu tun hatte. Zudem räumte er ein, dass er wenig zu den Spielern gesagt hat, weil er nicht wusste, was er sagen sollte. Das ist natürlich ein Armutszeugnis für einen Head Coach in der NFL.

Die Krönung waren dann seine Aussagen nach der Saison über die Offense, die wohlgemerkt in allen Kategorien zum Bodensatz der Liga gehörte. Das historisch schlechte Laufspiel hätte nichts mit dem Offensive Coordinator und dem Playcalling zu tun und er würde keine Änderungen im offensiven Coaching Staff vornehmen. Also rein sportlich ist die Trennung für mich schon nachvollziehbar.

Mit Nick Caserio bekamen die Texans vor der Saison 2021 neben einem neuen Head Coach auch einen neuen General Manager. Er musste zahlreiche Probleme und Altlasten übernehmen, dazu schwebt die „Causa Watson“ weiter wie ein Damoklesschwert über der Franchise. Was hat Caserio im ersten Jahr seiner Amtszeit angepackt und welche Weichen sind in Richtung Zukunft schon gestellt?

Texans Nation D/A/CH: Die Arbeit von Caserio ist bis hierher nur schwer zu bewerten. Von seinen unzähligen Signings konnten ein paar Spieler überzeugen, zudem sieht die kleine Draftklasse bisher recht vielversprechend aus. Auf der anderen Seite sind die Texans mit dem Fall Watson noch keinen Schritt weiter. Caserio wird sich sicherlich anhand des Ergebnisses dieses Themas bewerten lassen müssen.

Allerdings hat Caserio im Zweifel keinen großen Einfluss auf dieses Problem, da zuerst Watsons rechtliche Situation geklärt werden muss und er dann durch seine No-Trade-Klausel das letzte Wort hat, zu welchem Team er geht. Deshalb werde ich für meinen Teil Caserios Bewertung von seinen Erfolgen im Draft abhängig machen. Die nächste Draftklasse muss wirklich einschlagen, um den Rebuild endlich signifikant voranzubringen.

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Die Suche nach einem neuen Head Coach gestaltete sich chaotisch. Durch die Verbindung zu Nick Caserio wurde den Texans Interesse an Josh McDaniels von den Patriots nachgesagt, der aber neuer Head Coach bei den Las Vegas Raiders wurde. Man interviewte Josh McCown (ehemaliger NFL Quarterback ohne Coaching Erfahrung), Brian Flores (ehemaliger Head Coach der Miami Dolphins), Hines Ward (Wide Receivers Coach der Pittsburgh Steelers), Joe Lombardi (Offensive Coordinator der Los Angeles Chargers), Jonathan Gannon (Defensive Coordinator der Philadelphia Eagles) und Kevin O`Connell (Offensive Coordinator Los Angeles Rams). Zum Schluss sollen Josh McCown und Brian Flores in der Endauswahl gewesen sein, bevor man Lovie Smith als neuen Head Coach präsentierte. Wie habt Ihr als Fanbase diese Suche mitverfolgt? Wie groß war die Angst vor McCown und den folgenden Shitstorm?   

Texans Nation D/A/CH: Der Hiring Cycle war wie schon im letzten Jahr eher belastend für mich. Erneut wirkten die Verantwortlichen für viele ziemlich planlos. Dazu muss man natürlich anmerken, dass es seit geraumer Zeit kaum noch Leaks an die Presse gibt, wie das in früheren Regimes oft der Fall war. Einige Namen, wie eben Josh McDaniels oder auch Jerod Mayo, sind von Reportern ins Spiel gebracht worden, die genauso wenig Einblick in die Organisation haben, wie wir als Fans. Insbesondere der Chronicle, der früher eine Bank für Infos in Houston war, tappt mittlerweile völlig im Dunkeln und das merkt man den Reportern wie McClain und Brian T. Smith auch deutlich an. Deren durchweg negative Berichterstattung über das Team macht es mir als Fan natürlich nicht einfacher.

Tatsächlich hatte ich richtig Angst vor einer McCown-Verpflichtung als Head Coach. Ich kann gut verstehen, warum man einen Typen wie ihn im Staff haben will, aber jemanden ohne jegliche Berufserfahrung direkt als Führungskraft zu installieren, ist in den allermeisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Natürlich kann es gut sein, bestehende Strukturen zu hinterfragen und auch mal aufzubrechen. Aber sie gleich komplett über den Haufen zu werfen? Deshalb bin ich wirklich froh, dass es dann doch nicht McCown wurde.

Stolpern die Houston Texans mit Lovie Smith, der zuvor schon zweimal in der NFL als Head Coach bei den Chicago Bears (2004 bis 2012) und Tampa Bay Buccaneers (2014 und 2015) tätig war, in das nächste Übergangsjahr? Was sind Eure Erwartungen an Smith, der in der Saison 2021 bereits als Associate Head Coach und Defensive Coordinator bei den Texans im Staff von Culley war?

Texans Nation D/A/CH: Ich muss sagen, dass ich mit der Verpflichtung von Lovie Smith gut leben kann. Ohne die lächerliche Suche davor würde man diesen Schritt vermutlich auch viel weniger hinterfragen. So wirkt es aber tatsächlich wie eine Notlösung. Ich bin mir aber sicher, dass sich Smith dessen selbst bewusst ist. Vermutlich sieht er sich selbst nicht als die Langzeitlösung auf diesem Posten. Sonst hätte er sich sicherlich nicht offen dafür ausgesprochen, Josh McCown in seinen Staff zu holen, auch wenn es dann doch nicht dazu kam. Smith würde an seinem eigenen Stuhl sägen, wenn er einen der Finalisten auf seinen Job mit ins Boot holt. Interessanterweise sind über Smiths Vertrag keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangt.

Nach seiner Vorstellung auf der ersten Pressekonferenz muss man Lovie Smith einfach mögen. Das erste Mal, seit ich Texans Fan bin (2013), haben wir einen Head Coach, der weiß, wie man mit den Medien umgeht. Er wirkt auf mich mindestens genauso sympathisch wie Culley, tritt dabei aber deutlich kompetenter und souveräner auf.

In der Offensive soll es Pep Hamilton richten und auch die Plays callen. Hamilton betreute bereits in der NFL bei den Los Angeles Chargers Justin Herbert und konnte auch Rookie Davis Mills in der vergangenen Saison entwickeln. Er bekommt mit George Warhop (Offensive Line Coach) und Hal Hinter (Assistant Offensive Line Coach) erfahrene NFL Recken an die Seite gestellt. Was erwartet Ihr Offensiv unter Hamilton von den Texans? Kann er Davis Mills zu einem veritablen Starter in der NFL entwickeln?

Texans Nation D/A/CH: Die Beförderung von Pep ist vielleicht das beste an der Verpflichtung von Smith als Head Coach. Immerhin hatte Hamilton diverse Anfragen und Interviews, entschied sich aber dann doch dafür, weiter mit Mills zu arbeiten. Sein Vorgänger Tim Kelly scheiterte vor allem daran, irgendeine Form von Laufspiel zu kreieren. Mit Pep haben wir endlich jemanden, der dort zumindest eine klare Vorstellung und Identität hat.

Bezüglich Davis Mills muss ich meine Erwartungen immer wieder bremsen, denn ich bin von seiner Entwicklung viel begeisterter, als ich eigentlich rational sein sollte. Zwar konnte er sich zum Saisonende erheblich steigern, sah aber über weite Strecken der Saison ziemlich überfordert aus. Diesbezüglich sollte ihm die klare Struktur helfen, die Hamiltons Scheme ihm geben dürfte. Dazu muss man wissen, dass Pep einige Zeit mit David Shaw zusammengearbeitet hat, dem Head Coach von Mills‘ College Team Stanford. Ich erhoffe mir, dass Pep Elemente aus der Stanford Offense einbauen kann, die Mills kennt und die ihm liegen. Ich denke da zum Beispiel an die Seam-Routes, auf denen Mills eine gute Connection zu Fehoko hatte, seinem Go-to-Guy am College.

Die weiteren Verpflichtungen im Coaching Staff sind nur schwer zu bewerten. Warhop zum Beispiel bringt unfassbar viel Erfahrung mit, konnte aber häufig nicht unbedingt die besten Resultate vorweisen. Es ist als Fan fast unmöglich einschätzen, ob es dabei am Coach oder doch am Personal gelegen hat.

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In der Defensive wird weiter Lovie Smith die Plays callen. Hat Euch die erste Saison mit Smith als Play Caller gefallen und was erhofft Ihr Euch von der Defensive in der Spielzeit 2022?

Texans Nation D/A/CH: Der Kader der Texans war auf der defensiven Seite vermutlich der schlechteste der ganzen Liga und dennoch konnte die Einheit in vielen Spielen überzeugen. Nach DVOA von footballoutsiders.com lag unsere Defense auf Platz 23 im Ligavergleich, was angesichts des Personals schon beachtlich ist. Natürlich muss man diesen Teilerfolg mit etwas Vorsicht genießen, da wir vor allem von ergatterten Turnover profitiert haben, wozu ja auch immer ein gewisses Glück gehört.

Mir ist im letzten Jahr besonders positiv aufgefallen, wie Smith die Defense im Laufe der Saison entwickelt hat. Zu Saisonbeginn habe ich noch deutlich kritisiert, wie einfach und berechenbar unsere Coverage war. Doch im Nachhinein wurde deutlich, dass Lovie dem zusammengewürfelten Personal erstmal die Basics seines Schemes vermitteln musste. Im Saisonverlauf wurde das System anspruchsvoller und diversifizierter. Wenn wir jetzt im Draft noch das Personal deutlich aufwerten können, könnte ich mir eine weitere Steigerung der Einheit Richtung Mittelfeld durchaus vorstellen.

Die Texans gehen mit rund $ 17.500.000 an Cap Space in Richtung Free Agency. Dazu hat man den Third Overall Pick sowie insgesamt fünf Picks in den ersten vier Runden des Drafts. Mit welcher Strategie gehen die Texans aus Eurer Sicht in die anstehende Offseason?

Texans Nation D/A/CH: Da die Texans sehr viele Löcher zu stopfen haben, muss Caserio beim Salary Cap erneut erfinderisch werden. Ich rechne damit, dass wir auch in dieser Offseason wieder einige Umstrukturierungen sehen werden, die weiteren Cap Space schaffen könnten. Außerdem erwarte ich eine ähnliche Herangehensweise wie im letzten Jahr. Die Texans werden viele Leute mit kurzen Verträgen verpflichten, um die unteren Bereiche des Kaders zu füllen und eher über die nächsten Draftklassen für die nötige Qualität im Team sorgen.

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Letzte Frage: Was geschieht mit Deshaun Watson? In der Saison 2021 hatte man ihn mit knapp $ 16.000.000 an Cap Belastung auf dem Roster, aber 2022 steigt sein Cap Hit auf $ 40.400.000. Ein Cut erscheint ausgeschlossen (Dead Money von über $ 51.000.000 bei einem Cut vor dem 1.Juni und über $ 40.000.000 bei einem Cut nach dem 1. Juni) und selbst bei einem Trade würde reichlich totes Kapital entstehen ($ 16.200.000 bei einem Trade vor dem 1 Juni). Seht Ihr einen Ausweg aus der verfahrenen Situation?

Texans Nation D/A/CH: Aus dieser Situation gibt es leider nur schmerzhafte Wege und das für beide Seiten. Die eigentlich beste Lösung ist gleichzeitig die unrealistischste in meinen Augen, nämlich das Watson wieder für die Texans spielt. Ich rechne da eher mit einem Trade und stelle mich bezüglich des zu erwartenden Gegenwerts bereits auf eine Enttäuschung ein. Im Endeffekt steht und fällt sowieso alles mit seiner rechtlichen Situation, bei der nach neuesten Informationen möglicherweise erst kurz vor dem Draft Klarheit herrschen könnte.

Wir bedanken uns herzlich für das Resümee zum entlassenen Head Coach David Culley sowie Euren Gedanken zum neuen Hauptübungsleiter und natürlich für die Bereitschaft bei dieser Sonderausgabe mitzumachen. Wir wünschen Euch viel Erfolg mit dem neuen Coaching Staff und sind gespannt auf die Free Agency und Draft Strategie der Texans.

Texans Nation D/A/CH

Alles rund um die Texas Nation D/A/CH findet Ihr unter diesem Link!

NFL Team: Houston Texans