Profil

Bitte melde dich an, um auf dein Profil zugreifen zu können.

Warenkorb

49ers Germany

Official 49ers Fan Chapter, part of Niner Empire.

Beyond the Horizon – Episode 15: Beardown Germany

20 min read

Herzlich Willkommen zur 15. Ausgabe von „Beyond the Horizon“. Nach der Episode mit Adrian Franke tauschen wir uns nun mit den Fans der Chicago Bears, vertreten durch Beardown Germany, über die Bears, Mitch Trubisky und Khalil Mack, die vergangene Spielzeit, die Free Agency, den Draft und die Zukunft der Bears aus. Was uns aber besonders wichtig ist, ist der Blick über den Horizont hinaus, wer sind Beardown Germany? Verschwenden wir keine Zeit und fangen an!

Hallo Beardown Germany! Wir möchten Euch bitten, Euch uns vorzustellen! Wie seid Ihr zum Football gekommen? Und zu den Bears? Seit wann gibt es Euch als Vereinigung von Bears Fans in Deutschland? Habt Ihr Verbindungen zu Fans in den Vereinigten Staaten? Wie sehen Eure Zukunftspläne aus? Nach Möglichkeit: Erzählt uns alles über Euch und macht auch gern ein wenig Werbung für Euch, den Beardown Germany Blog und die Bears! Wir sind gespannt!

Beardown Germany: Beardown Germany besteht derzeit aus drei Personen, die natürlich völlig unterschiedlich zum Football und zu den Bears fanden. Sei es durch das Aufwachsen in Chicago, selbst Football spielen und der Begeisterung für die 2006er Defense oder in meinem Fall ganz simpel über Freunde und Bekanntheit des Teams über Chicagoer Sitcoms. Da BDG ein Blog zu den Chicago Bears ist, den ich 2014 gegründet habe, agieren wir gar nicht als Fanvereinigung, sondern verstehen uns eher als ein Medium, über das die Leser mehr über die Chicago Bears erfahren können. Somit sind unsere Verbindungen zu Fans in den USA eher auf privat und individuell, als Blog haben wir eher mit einzelnen Akteuren der Chicagoer Medienbranche zu tun.

Lasst uns bitte teilhaben an der Faszination Bears. Die Bears verdrängten mit den Cardinals die älteste Franchise der NFL aus der Stadt. Beschreibt uns bitte die Bedeutung der Bears für Chicago, das Umfeld und nicht zuletzt die NFL. 

Beardown Germany: Chicago ist die Sportstadt der USA. Nicht nur im Football, sondern in allen der populärsten Sportarten des Landes stellt Chicago eines der traditionsreichsten Teams, wobei Football nochmal eine besondere Bedeutung hat. Immerhin ist man das Team mit der reichsten Historie und die Stadt die Geburtsstätte der NFL.

Das ist nur durch eine besondere Passion der Fans möglich. So wimmelt die Stadt nur so an Bears Fans an Spieltagen, der Name George Halas und viele große Spieler sind bis heute in jedem Haushalt ein Begriff, sodass jedes Kind mit den Geschichten der Bears aufwächst. Innerhalb eines 200km Umkreises um die Stadt herum findet man überall Schul-, College- oder Recreation-Mannschaften, die sich Bears nennen und die gleichen Farben tragen. Eine solche Begeisterung gibt es kaum woanders, als in der Football-City Chicago.

Die Chicago Bears wurden 1920 unter dem Namen Decatur Staleys gegründet, 1921 nach dem Umzug nach Chicago in Staleys umbenannt und ab 1922 trägt man den Namen Chicago Bears. Man spielt seit 1920 bis heute in der National Football League. Von 1970 bis 2001 trat man in der NFC Central und seit 2002 in der NFC North an. Die Bears sind eine der traditionsreichsten Franchises in der Liga und zumindest bis zum Merger eines der erfolgreichsten Teams mit acht NFL Championships. Man schaffte 26 Playoff Teilnahmen, gewann 21 Mal ihre Division und viermal Conference Championships. Größter sportlicher Erfolg seit dem Merger ist der Gewinn des Super Bowls XX gegen die New England Patriots. Was sind aus Eurer Sicht die größten und wichtigsten Momente in der Bears Geschichte?

Beardown Germany: Natürlich sind die wichtigsten Momente des Franchises erst einmal die Gründung, der Umzug nach Chicago und die Umbenennung, wie es auch schon in der Fragenstellung genannt wird. Hinzufügen kann man sicherlich auch den Umzug vom Wrigley Field ins Soldier Field. Nach den ebenfalls bereits erwähnten Teamerfolgen bleiben die von Einzelpersonen. Sid Luckman erzielte als erster Quarterback der Geschichte 400 Passing Yards und 7 Touchdowns in einem Spiel, Gale Sayers konnte als einer der ersten Running Backs 6 Touchdowns in einem Spiel erreichen, Walter Payton stellte einen von Peterson inzwischen gebrochenen Rekord auf, indem er 275 Yards in einem Spiel verbuchte, Devin Hester erzielte einen Return Touchdown beim Opening Kickoff des Super Bowls XLI, der schon erwähnte Gale Sayers und Dick Butkus sind zwei Hall of Famer, die über den selben Draft zu den Bears stießen und der Pokal zum NFC Championship ist nach dem Bears Gründer benannt. Das sind alles große und wichtige Momente, wobei es noch viele mehr gibt.

Eine dermaßen traditionsreiche Franchise hat in all den Jahren nicht nur auf Spielerseite sehr interessante Persönlichkeiten hervorgebracht, sondern auch unter Coaches oder Funktionären. Uns fallen hierbei Namen wie George Hales (Gründer und Owner bis 1983), General Manager Jim Finks (1974 bis 1982) und Head Coach Mike Ditka (1982 bis 1992) ein, aber wir sind nur weitentfernte Beobachter. Welche Persönlichkeiten neben dem Footballfeld haben die Franchise am meisten geprägt? 

Beardown Germany: Neben den in der Frage bereits genannten Personen muss zuerst natürlich Besitzerin Virginia Halas McCaskey erwähnt werden. Die Chicago Bears sind eines der wenigen Teams, das einer Frau gehört. Unsere süße Omi ist mit dem stolzen Alter von 96 Jahren die älteste Besitzerin in der NFL. Sie übernahm die Franchise nach dem Tod ihres Vaters George Halas im Jahr 1983. Sie hatte somit bereits das Sagen, als die Bears ihren ersten und bisher einzigen Super Bowl gewonnen haben. Seit dem Jahr 1999 hat sie sich jedoch aus dem Geschäft zurückgezogen und überließ die Führung des Teams ihrem ältesten Sohn Michael, der 2011 von seinem Bruder George abgelöst wurde. Als Berater der Familie agiert Ted Phillips, Präsident der Bears, der ebenfalls seit 1983 in der Organisation aktiv ist und somit auch keine ganz unwichtige Person ist.

Abseits des Feldes, da am Seitenrand, ist auch noch James David „Buddy“ Ryan zu nennen. Der Vater von Rex und Rob Ryan war Defensive Coordinator der Chicago Bears während des Super Bowl Gewinns und damit der Chef der wohl besten Defense aller Zeiten.

Die Liste der Pro Football Hall of Famer der Bears ist lang und reicht von Gründer/Owner George Hales über Linebacker Dick Butkus (nach dem der Award für den besten College Football Linebacker des Jahres benannt ist), Running Back Walter Payton (NFL Walter Payton Man of the Year Award), Linebacker Mike Singletary bis zu Linebacker Brian Urlacher. Sind dies die Spieler, welche die Franchise am meisten geprägt und angeführt haben?  Es ist eine so reichhaltige Auswahl möglich, dass es unmöglich erscheint, auch nur annähernd alles aufzuzählen.

Beardown Germany: Das grenzt tatsächlich an der Unmöglichkeit. Man kann zumindest sagen, dass die genannten Spieler wichtige Persönlichkeiten ihrer Spielergenerationen waren. Ich würde allerdings ganz gerne noch Bronko Nagurski, Gale Sayers und Sid Luckman, den „ersten modernen Quarterback“, zu der Liste hinzufügen.

Werfen wir noch einen Blick in die jüngere Vergangenheit und schauen auf Spieler wie Quarterback Jay Cutler, Running Back Matt Forte, Defensive End Julius Peppers oder auch Wide Receiver Devin Hester. 2006 standen die Bears zum letzten Mal im Super Bowl und man unterlag den Indianapolis Colts mit Peyton Manning als Quarterback unter Coach Lovie Smith. Anschließend spielten die Bears mehr oder weniger keine Rolle im Rennen um die Divisionskrone und die Playoffs. Wie habt ihr diese Zeit miterlebt? 

Beardown Germany: In diesem Zeitraum wurde das Fanherz ordentlich auf die Probe gestellt und für uns wichtige Rekorde gebrochen. Dabei denke ich vor allem an die All-Time Bilanz der Duelle gegen die Packers, die dort seitdem zum ersten Mal mehr Siege aufweisen können. Im Jahr 2011 gab es mit dem Einzug ins NFC Championship nochmal ein kurzes Hoch, doch alles was danach folgte war grausam. Zu den schlechtesten NFL Teams zu gehören ist alles andere als typisch für das Franchise. Der Tiefpunkt folgte im Jahr 2014 (übrigens auch Gründungsjahr unseres Blogs – Yippieh!), als das Team, bestückt mit einigen schwierigen Charakteren, während der Saison anfing, dem nicht sehr durchsetzungsstarken Head Coach Mark Trestman auf der Nase herumzutanzen.

Seit der Saison 2018 hat Head Coach Matt Nagy das Ruder in der Hand und verabschiedete den antiquierten Football von Vorgänger John Fox aus Windy City. Gerade nach dem Trade für Khalil Mack von den Oakland Raiders nahm der durch Nagy schon entfachte Hype noch einmal richtig Fahrt auf und die ohnehin recht Starke Defense von Coordinator Vic Fangio wurde auf ein noch höheres Level gehoben. Mit einem 12-4 Record gewannen die Bears die NFC North und die Reise endete schlagartig mit dem bei auslaufender Uhr verschossenen Field Goal von Cody Parkey in der Wild Card Round gegen die Philadelphia Eagles. Schildert uns doch bitte Eure Eindrücke aus der letzten Saison. Wie habt ihr die Spielzeit wahrgenommen? Überwiegt mit etwas Abstand der Stolz auf das Erreichte, oder verharrt man weiter in der Enttäuschung wegen der Art des Ausscheidens?     

Beardown Germany: Zuerst möchte ich eine Lanze für John Fox brechen. Er war in der Zeit des Umbruchs in Folge des eben beschriebenen Fiaskos unter Mark Trestman genau der richtige Mann, da er ein Auge für (Defense-) Talente hat und weiß, wie man eine starke Defense aufbaut. Das bewies er bei all seinen Stationen. Nichtsdestotrotz war der Zeitpunkt gekommen, den nächsten Schritt zu gehen und in Matt Nagy bat sich die Chance einen besonderen Coach für sich zu gewinnen, wie auch die Öffentlichkeit schnell herausfinden sollte und diese musste man einfach nutzen.

Die Saison lief für Bears Fans, die sich rund um die Uhr mit dem Team beschäftigen, eigentlich wie erwartet und war weniger eine Überraschung, wie für Außenstehende. Es gab über die Saison hinweg die üblichen Schwierigkeiten, die auftreten, wenn ein neues Trainerteam und einige Neuzugänge zueinander finden müssen, dennoch ist die Qualität der einzelnen Besetzungen so hoch, dass ich bereits vor der Saison die Playoffs als Ziel formuliert habe.

Das Gefühl im Nachhinein würde ich weniger als Stolz bezeichnen, sondern mehr in Dankbarkeit gegenüber allen Beteiligten, dass sie die Talfahrt des Franchises endgültig beendet haben. Dementsprechend bin auch nicht mehr groß enttäuscht, da ich überzeugt bin, dass das nur der Anfang war. 

Mit Vic Fangio, der nun endlich doch noch einen Head Coach Job in der NFL bei den Denver Broncos bekam, verloren die Bears den mit Wade Philips besten Defensiv Coach der Liga. Wird sein Abgang durch Chuck Pagano aufgefangen? Mit Mark Helfrich ist ein Offensiv Coordinator am Werk, der inzwischen 21 Jahre am College als Coach, unter anderem bei den Oregon Ducks, unterwegs war. Was haltet Ihr von ihm?

Beardown Germany: Chuck Pagano wird das auffangen können. Er ist ein erfahrener Coach und der Kader auf Seiten der Defense individuell zu gut bestückt, um wirklich schlecht abschneiden zu können. Im Gegenteil, ich würde sagen, dass die bevorzugt aggressivere Spielweise von Chuck Pagano (Fangio agiert doch eher konservativ und ist zuerst auf Sicherheit bedacht) dem aktuellen Spielerpersonal sogar mehr entgegenkommt.

Mark Helfrich wird, wie im letzten Jahr, ein wichtiger Bestandteil des Trainerteams sein. Er hat einen kreativen Einfluss auf Matt Nagy, wenn es um das Erstellen neuer Spielzüge geht. Schon nach der angelaufenen Saison gab es vereinzelte Stimmen, dass andere Teams ihn als Head Coach Kandidaten beobachten und ich traue ihm einen solchen Posten in der NFL zu.

In der Free Agency verloren die Bears etwas überraschend Safety Adrian Amos ausgerechnet an den Divisionsrivalen Green Bay Packers. Dazu verabschiedete sich auch Nickelback Bryce Callahan, der bei den Denver Broncos anheuerte. Running Back Jordan Howard tradete man zu den Philadelphia Eagles. Auf der anderen Seite holte man mit Ha Ha Clinton-Dix (Washington Redskins) einen Safety, der jahrelang für die Packers aufgelaufen ist und Mike Davis (Seattle Seahawks) als Ersatz für Howard sowie Cordarelle Patterson (New England Patriots). Seid Ihr mit der Free Agency zufrieden? Habt Ihr mehr oder anderes erwartet? Wer wird Callahan ersetzen?  

Beardown Germany: Im Großen und Ganzen kann man mit der Free Agency zufrieden sein. Die wenigen Schwachstellen der letzten Saison wurden sinnvoll angegangen. In Davis wurde zusätzlich zum unten besprochenen Draft Pick ein Running Back geholt, der besser in die Spielphilosophie von Matt Nagy passt und damit mehr Möglichkeiten anbietet. Cordarelle Patterson wird aus Sicht der Offense ein weiteres nettes Spielzeug sein, mit dem Nagy seine Kreativität ausleben kann und er schließt, als der womöglich beste Kick-Returner der Liga, genau dieses Problem bei den Special Teams. Clinton-Dix strahlt mehr Gefahr in Sachen Turnover als Adrian Amos aus und sollte somit mehr der durch die starke Front Seven gebotenen Chancen nutzen. Er stellt zudem einen besseren Ersatz für Eddie Jackson dar, sollte dieser, wie in der abgelaufenen Saison, nochmal ausfallen. Bryce Callahan wird sehr wahrscheinlich durch Buster Skrine ersetzt, der zwar wenig öffentliches Ansehen besitzt, doch schon vor dem Aufeinandertreffen seines alten Arbeitgebers (Jets) und der Bears in der vergangenen Saison von Matt Nagy als bester Nickelcorner der NFL betitelt wurde. Zumindest die Bears scheinen ihn wohl sehr zu schätzen und so war die Entscheidung für Skrine und gegen eine Weiterverpflichtung von Callahan aus Teamsicht nachvollziehbar.

Ein Negativaspekt ist sicher das noch nicht gelöste Kicker Problem, obwohl den Verantwortlichen hier auch kein Vorwurf gemacht werden kann, da etliche Spieler eingeladen wurden und zwischen allen ein offener Konkurrenzkampf während der Offseason läuft, sodass zumindest alles Mögliche getan wurde/wird, um das Thema abzuhaken.

Aufgrund des Khalil Mack Trades hatten die Bears keinen Erstrundenpick und wegen des Uptrade im vergangenen Draft für Wide Receiver Anthony Miller auch keinen Pick in der zweiten Runde. Somit wählten die Bears erstmals in der dritten Runde und man entschied sich für Running Back David Montgomery von der Iowa State. Dazu gelang womöglich mit dem 126. Pick Overall in der vierten Runde mit Wide Receiver Riley Ridley aus Georgia ein Steal. Ridley wird als bester Route Runner der Draftklasse angesehen! Was haltet Ihr von den Picks und wie beurteilt Ihr deren Einsatzchancen? Hattet Ihr ein Auge auf andere Spieler geworfen?

Beardown Germany: Da wir im Vorfeld des Drafts traditionell selbst hobbymäßig scouten, hatten wir auch in diesem Jahr einen Pool von 200+ Spielern gesehen (unter unseren Autoren befindet sich unter anderem der Draft_Nerd_DE, welcher einigen vielleicht sogar ein Begriff ist). Dementsprechend gibt es immer weitere Spieler, die man zum Zeitpunkt des Picks für ebenso interessant hält. Wir haben allerdings nicht den Einblick der Teams und aufgrund vergangener Drafts konnte sich Ryan Pace einen Vertrauensvorschuss erarbeiten, wodurch man sich als Bears Fan mit der getroffenen Auswahl zunächst erstmal zufriedengeben sollte.

David Montgomery wird der neue Starter auf der Running Back Position der Bears sein. Die weiteren Rookies müssen sich aufgrund des ziemlich kompletten Kaders wohl erst hintenanstellen. Sie sind allerdings auch allesamt Mid- oder Late-Round Picks, wodurch der Anspruch an sie nicht so groß sein sollte, wie es die Aufmerksamkeit aufgrund der besonderen Situation suggeriert. Bei anderen Teams, die in den ersten Runden am Zug waren, ist das doch auch nicht der Fall.

Am letzten Tag des Drafts wählten die Bears in der sechsten Runde mit Duke Shelly (Kansas State) einen Cornerback und in der siebten Runde zunächst einen Running Rack, Kerrith White (Florida), und anschließend mit Stephon Denmark (Valdosta State) einen weiteren Cornerback. Seht Ihr Chancen, dass die Draftpicks es aufs finale 53er Roster schaffen? Ist unter Euren Undrafted Free Agents womöglich ein Sleeper?    

Beardown Germany: Hier verweise ich am besten auf meinen Artikel, der sich mit all diesen Spielern genauer beschäftigt, als ein solches Interview Format an passenden Raum bietet: https://www.beardown-germany.de/2019/04/29/der-bears-draft-2019/

Die vielleicht am meisten diskutierte Personalie der Bears in den letzten beiden Spieljahren ist sicherlich Quarterback Mitch Trubisky, der nun in seine dritte NFL Spielzeit gehen wird. Nach einer durchwachsenen Rookie Saison unter John Fox sah man in der letzten Saison eine Entwicklung unter Matt Nagy. In 2018 warf Trubisky für 3.223 Yards und 24 Touchdowns bei 12 Interceptions in der Regular Season. In der Wild Card Round brachte er 26 von 43 Pässen für 303 Yards an den Mann und warf einen Touchdown – am Ende ein Quarterback Rating von 89,6. Viele Experten zweifeln an den Fähigkeiten des jungen Quarterbacks und sehen nicht, dass er die Franchise zu einem Super Bowl führen kann. Wie seht Ihr Euren Signal Caller?

Beardown Germany: Nach zwei Saisons sehe ich Mitch Trubisky weitaus positiver, als es die allgemeine Öffentlichkeit tut. In diesen beiden Jahren machte der unerfahrene Quarterback einige Fehler, zeigte jedoch auch viele Fortschritte. Er hat eine Grundlage geschaffen, um im nach Bill Walsh entscheidenden dritten Jahr seinen Durchbruch schaffen zu können. Meine Meinung wird für viele vermutlich für Verwunderung sorgen und unter der Kategorie „Fanbrille“ eingeordnet werden, doch erscheint hierzu in naher Zukunft eine mehrteilige Videoanalyse auf unserer Seite, wo ich zusammen mit einem meiner Kollegen meine Bewertung erläutern werde.

Mit welchen Erwartungen gehen die Franchise und die Fans in die Saison 2019? In der NFC North werden die Bears gegen die Green Bay Packers und die Minnesota Vikings um den Divisionssieg kämpfen müssen und auch die Detroit Lions werden im zweiten Jahr unter Head Coach Matt Patricia einen Schritt nach vorne machen. Glaubt Ihr an eine Wiederholung des Divisionssiegs?

Beardown Germany: Die Erwartungshaltung von Franchise und Fans ist natürlich die Wiederholung des Divisionssieg. Das halte ich auch für durchaus realistisch. Die Konkurrenz hat sich verstärkt, keine Frage, ob die Verstärkung jedoch ausreicht, um besser als die Bears dazustehen, ist hingegen fraglich. Wir nehmen unsere Kontrahenten selbstverständlich ernst, darunter befinden sich gute Teams, doch niemand kann bezweifeln, dass Chicago als Favorit in die Saison geht.

Die NFL geht in ihre Jubiläumssaison und deswegen treffen im Auftaktspiel mit den Chicago Bears und den Green Bay Packers zwei der traditionsreichsten Teams aufeinander, während in den letzten Jahren immer der amtierende Champion zum Auftakt ranmusste. Der ganze Spielplan steht im Zeichen von Rivalries, obwohl man diese eher im College Bereich findet. Die Bears haben in Ihrer Division mit den Vikings und Packers gleich zwei Rivalen. Wie bewertet Ihr die Rivalitäten zwischen den Teams? Habt Ihr Highlights aus diesen Begegnungen? Was erwartet Ihr von der Auftaktbegegnung? 

Beardown Germany: Ich finde es schön, dass die NFL zum gemeinsamen Jubiläum den Chicago Bears die Auftaktbegegnung zugesteht, wobei die Entscheidung sicherlich auch im Interesse der NFL ist. Die Planungen für das Spiel sind großartig. Es wird in der Stadt ein großes Fest um das Spiel herum gebaut. Unsere, aber auch eure Erwartungen dürfen also ruhig hoch liegen.

Aus Sicht der Bears Fans gibt es in der Division nur einen Rivalen, die Green Bay Packers. Die anderen beiden Teams sind „nur“ die direkte Konkurrenz und dadurch entsteht eine besondere Wichtigkeit auf sportlicher Ebene. In den USA wächst man als Anhänger einer der beiden Teams seit Generationen mit der gegenseitigen Abneigung auf und so setzt sich das Gefühl fest und wird durch eigene persönliche Erlebnisse weiter angereichert. Ein natürlicher Prozess, wie man ihn in Deutschland aus Derbys im Fußball kennt. Auf unserer Seite des Ozeans wurde ich nicht damit groß und habe dementsprechend nichts gegen Packers Fans. Die Aufeinandertreffen sind mir eher deswegen wichtiger, weil eben so viel Geschichte daran hängt.

Highlights der Begegnungen sind aus Bears Sicht sicherlich einmal der Offense Touchdown von William „The Refrigerator“ Perry, der als Defensive Lineman in seiner Rookie Saison 1985 stellenweise zum Fullback genutzt wurde und in dieser Funktion seinen ersten Touchdown der Karriere ausgerechnet gegen die Packers erzielt und die „Favre Night“. Beim Abendspiel an Thanksgiving 2015 sollte die große Feier für Brett Favre im Lambeau Field stattfinden, weil im Sommer beschlossen wurde, dass seine Nummer zu seinen Ehren nicht mehr vergeben wird. Dafür hatte man sich in Green Bay das Spiel gegen die Bears ausgesucht, dem Rivalen, der zu dem Zeitpunkt seinen Umbruch startete, also nicht konkurrenzfähig war. Der Sieg ging trotzdem an Chicago und die Feier musste an einem anderen Termin wiederholt werden. 

Von welchen Spielern aus dem Team erwartet Ihr einen Leistungssprung? Wen seht ihr eher auf dem absteigenden Ast? Wir sind gespannt auf eine Prognose!

Beardown Germany: Auf dem absteigenden Ast befindet sich noch keiner der Spieler, weil der Kader einen extrem jungen Altersdurchschnitt hat, so gibt es nur einen Spieler über dreißig Jahren in der Startformation.

Ein Leistungssprung kann also von vielen Jungs erwartet werden. Da wäre natürlich der unerfahrene Quarterback, der jetzt in sein drittes Jahr und noch viel wichtiger, in sein zweites Jahr unter Matt Nagy geht. Der erwähnte Ü30 Starter Kyle Long geht zum ersten Mal seit zwei Jahren völlig beschwerdefrei in die Vorbereitung. Es ist das zweite Jahr nach dem Kreuzbandriss von Allen Robinson, der während der abgelaufenen Saison hin und wieder pausieren musste und gegen Ende andeutete, wozu er eigentlich imstande ist. Am Offensichtlichsten wird der Leistungssprung bei den letztjährigen Rookies Anthony Miller und Roquan Smith sein und mein Geheimtipp ist Bilal Nichols. Er wurde letztes Jahr in der sechsten Runde des Drafts ausgewählt und spielte auf Starterniveau, zog jedoch aufgrund der vielen guten Spielern um sich herum kaum öffentliches Interesse auf sich.

Wie schätzt Ihr die San Francisco 49ers in der kommenden Saison ein? Werft bitte aus dem hohen Norden einen Blick nach Kalifornien und teilt uns Eure Meinung zu den Niners mit. Kann Jimmy Garoppolo, der aus Arlington Hights in der Nähe von Chicago stammt und die Eastern Illinois University besuchte, die Niners auf die Siegerstraße führen? 

Beardown Germany: Kyle Shanahan gehört zu meinen Lieblingstrainern, so forderte ich ihn schon im Jahr 2014 als Nachfolger für Mark Trestman. Jimmy Garoppolo war ebenfalls einer meiner Lieblinge im damaligen Draft und aufgrund seiner Herkunft ein Wunschtraum vieler Bears Fans war. Ich bin also durchaus überzeugt von ihm, wenn auch der Hype für jemanden mit so wenig Einsätzen inzwischen derart übertrieben ist, dass es mich hier und da stört. Die Verstärkungen in der Offseason sind allesamt erfreulich, sodass der Kader für mich als gut aufgestellt erscheint.

P.S.: Habt doch bitte Erbarmen und lasst Robbie nach Hause kommen. 😉

Wir bedanken uns herzlich für das aufschlussreiche und interessante Interview, insbesondere bei janikbears! Wir wünschen Euch für die kommende Spielzeit viel Erfolg und werden mit Spannung verfolgen, ob die Bears den Divisionssieg wiederholen können!         

Mehr Informationen über Beardown Germany und den Draft_Nerd_De findet Ihr hier:

Hier findet ihr die 14 vorherigen Ausgaben von „Beyond the Horizon“:

1 thought on “Beyond the Horizon – Episode 15: Beardown Germany

Comments are closed.