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Beyond the Horizon – Episode 26: Triple Option mit Jan Weckwerth

30 min read

Herzlich Willkommen zur 26. Ausgabe von „Beyond the Horizon“. Eigentlich schauen wir in diesem Format über unseren Horizont hinaus und tauschen uns mit einer anderen Fanvereinigung aus dem deutschsprachigen Raum aus. In dieser Ausgabe verlassen wir zum Großteil die NFL-Welt und schauen gemeinsam mit Jan Weckwerth vom Triple Option Blog auf die NCAA. Das Championship Weekend liegt hinter uns und die College Football Playoffs werfen ihren großen Schatten voraus!

Hallo Jan! Vielen herzlichen Dank, dass Du uns heute mit in die Welt des College Footballs nimmst. Bitte stell Dich und den Blog sowie weitere Projekte gerne einmal vor. Womöglich gibt es noch den ein oder anderen, der Dich und den vielleicht besten Content zum College Football in deutscher Sprache nicht kennt. Bei den Sofa Quarterbacks auf Sportradio 360 kann man Dich und starke Analysen auch verfolgen, aber gerade an College Spieltagen findet man Dich auf Twitter, oder? 

Jan Weckwerth: Moin! Zu mir selbst kann ich in diesem Zusammenhang eigentlich gar nicht so viel sagen. Football ist schon lange meine große sportliche Leidenschaft, über die ich sehr gern diskutiere. Seit Mitte der 00er Jahre ist College Football gegenüber der NFL die klare Nummer 1. Ich freue mich daher sehr, dass in den letzten zwei, drei Saisons das Interesse im deutschsprachigen Raum merklich gestiegen ist.

Über viele Jahre habe ich meine Einschätzungen und Analysen in einem Forum veröffentlicht, doch wollte ich vor irgendwann auf eigenen Beinen stehen, von daher bin ich nun auf unterschiedlichen Kanälen zu erreichen bzw. zu lesen. Auf meinem Blog Triple Option (https://tripleoptionblog.wordpress.com/) gibt es während der Saison vor allem die ausführlichen Previews auf den anstehenden Spieltag, also die Topspiele, teilweise mit etwas Historie, Strategie und Schemes sowie die entscheidenden Matchups zwischen Spielern, die man sich mitunter auch schon einmal aus Draftperspektive anschauen kann. Das Frühjahr steht dann ganz im Zeichen der Draft, die ich mittlerweile seit 20 Jahren recht intensiv verfolge.

Bei Twitter poste ich die Woche über News und an Spieltagen dann kurze Live-Einschätzungen und bewegte Bilder. Im Frühjahr dreht sich auch hier dann alles um die Draft.

Bei den Sofa Quarterbacks auf Sportradio 360 bin ich in einer illustren Runde wöchentlich zum College Football und gelegentlich zur NFL zu hören.

Zudem werde ich gerade vor der Draft gelegentlich in Team-Podcasts oder auf Team-Seiten wie der eurigen eingeladen und diskutiere über die Stärken und Schwächen von Prospects sowie mögliche Team Fits. Mein Faible sind dabei besonders die Sleeper in den späten Runden.

Bevor wir uns auf den College Football stürzen, würde uns noch interessieren, ob Du neben dem College Football auch die NFL verfolgst? Hast und leidest Du auch mit bestimmten Teams oder Programmen?

Jan Weckwerth: Wie die meisten Football-Fans in Deutschland bin ich zunächst mit der NFL in Berührung gekommen. Mein Team waren die Buffalo Bills, mit denen ich zeitweilig extrem mitgefiebert und mitgelitten habe. Immerhin hatte ich das Glück, am Ende ihrer großen Zeit – ihr wisst, die vier Superbowl-Teilnahmen in Folge – dazu zustoßen und immerhin zwei Spiele in den 90ern live im Rich Stadium gegen die verhassten Dolphins erleben zu dürfen.

Im Laufe der 2000er Jahre habe ich mich von dem Team langsam entfremdet und ich kann bis heute nicht sagen, wieso genau. An der Erfolglosigkeit lag es sicher nicht, da ich die Bills quasi gegen die Bulls (das College-Team aus Buffalo) eingetauscht habe, die ähnlich schlecht waren. Es ist natürlich auch kein anderes NFL-Team an die Stelle der Bills getreten, dazu habe ich zu viel mit denen durchlebt.

Die NFL verfolge ich natürlich weiterhin halbwegs intensiv, allein weil ich sie regelmäßig bei den NFL Sofa Quarterbacks kommentiere. Allerdings betrachte ich das Ganze nun eher aus der Analystenperspektive und drücke vor allem einige meiner Lieblinge aus dem College die Daumen. Anfang der 2010er Jahre waren beispielsweise die Packers Pflichtprogramm wegen Bulls RB James Starks, einem meiner all-time Favoriten. Leider gab es da gleich zwei Mal in den Playoffs unschöne Aufeinandertreffen mit einem gewissen Colin Kaepernick.

Was sind für Dich, abgesehen von den Regelunterschieden (dazu später mehr), die größten Unterschiede zwischen dem College Football und der NFL? Die auffälligsten Unterschiede sind die grandiose Stimmung im und um die zum Teil riesigen Stadien im Nirgendwo und die Vielfältigkeit der Offense Schemes. Warum liebst Du den College Football?

Jan Weckwerth: Wie viel Platz habe ich? Für mich ist College Football der mit Abstand großartigste Sport der Welt. Die von euch angesprochene Stimmung gehört auf jeden Fall dazu, das hast du in der NFL halt nicht. Fast noch faszinierender ist die Vielfalt der Schemes: In der Offense gibt es von der Flexbone Triple Option und Smash Mouth Running über die verschiedenen Spread-Varianten bis zur Air Raid wirklich jede denkbare Art von Spielsystem und -philosophie. So ergeben sich immer wieder neue Matchups mit ungewissem Ausgang. Für die Defenses gilt übrigens dasselbe: beispielsweise Michigan States Cover 4 Man Press, TCUs ungewöhnliche und positionsvariable 4-2-5, die Bear Fronts gegen Spread Offenses oder aktuell Baylors blitzintensive 3-3-5 Big Nickel. Für Taktikliebhaber ist das einfach enorm spannend. Ich habe in einem College Football-Panel bei Spox mal gesagt: Dagegen wirkt die NFL wie Einheitsbrei.

Als Fan von Running Game und Defense mag ich außerdem, dass der Quarterback nicht eine alles überragende Rolle wie in der NFL hat, auch wenn der Trend in den letzten Jahren leider ein wenig mehr in die Richtung geht.

Unter anderem durch die Buffalo Bulls habe ich ein Faible für die kleineren Conferences entwickelt, bei denen vieles nicht so stark durchprofessionalisiert ist. Hier schauen nur die wenigsten Spieler in Richtung NFL, es geht erst einmal wirklich um den Erfolg des Teams. Das hat zum Teil seinen eigenen Charme – und trotzdem kann man da ab und an echte Perlen entdecken und sie auf ihrem weiteren Weg verfolgen. Khalil Mack ist da sicher das beste Beispiel.

Was ich als Sportromantiker auch schätze, ist die enorme Verbundenheit der Spieler zu ihrem College. Selbst die größten NFL-Stars lassen sich regelmäßig vor Ort blicken oder kommentieren bei Twitter und anderswo regelmäßig die Spiele.

Zum Schluss meiner längeren Ausführungen muss ich natürlich noch mein sportliches Highlight des Jahres erwähnen: die Rivalry Week! Es gibt wirklich keine genialere Idee, als am letzten Spieltag fast alle der teilweise über 100 Jahre alten Hass-Duelle auszutragen. Selbst wenn man eine enttäuschende Saison gespielt hat, ergibt sich immer noch die Chance, dem Erzrivalen so richtig die Tour zu vermasseln. Besser geht’s einfach nicht. Insgesamt sind die Traditionen von Teams, Rivalitäten und Conferences so unfassbar reichhaltig.

Wenn man einen Blick auf Regelunterschiede zwischen der NCAA und der NFL wirft, hat man schnell den Eindruck, dass die Regeln im College Football einfach fairer sind. In der Overtime bekommt jedes Team mindestens einmal den Ball und die Offense startet bereits an der 25 Yard Linie des Gegners. Nach der ersten Serie bekommt der Gegner den Ball und kann durch den gleichen Score (Touchdown oder Field Goal) in die nächste Verlängerung schicken oder auch das Spiel gewinnen bzw. verlieren. Ein weiterer gravierender Unterschied ist die Regel zur Pass Interference. Während die PI in der NFL ein Spot Foul ist, bekommt man im College lediglich 15 Yards und ein First Down anstatt in der NFL 50, 60, 70 Yards plus ein First Down. Dazu bleibt im College die Game Clock beim Erreichen eines First Downs stehen, bis beide Teams Aufstellung bezogen haben. Es erscheint fairer, oder?     

Jan Weckwerth: Mir ist bewusst, dass viele NFL-Fans gerne die Overtime-Regeln aus dem College übernehmen würden, doch so viel fairer sind die auch nicht. Das zweite Team hat eine höhere Siegchance, da es weiß, wie viele Punkte es „matchen“ muss. Gerade bei dem kurzen Feld macht es einen gehörigen Unterschied, ob man notfalls eben vier Versuche zur Verfügung hat, um einen Touchdown zu erzielen. Immerhin müssen die Offenses ab der dritten Overtime nach einem Touchdown zwingend eine 2-point Conversion spielen. Da sich in den vergangenen Saisons einige Overtimes über Stunden hinzogen (etwa die 7-Overtime-Spiele von Buffalo vs. WMU und Texas A&M vs. LSU), existiert seit dieser Saison die neue Regel, dass die Teams ab der fünften Overtime 2-point Conversions gegeneinander spielen – quasi wie im Elfmeterschießen beim Fußball. Im Spiel zwischen Virginia Tech und North Carolina feierte diese Regel ihre Premiere. Ein reines Duell aus 2-point Conversions wäre wohl in der Tat die fairste Lösung, allerdings würde man damit die Special Teams komplett ausschließen. Ganz zufriedenstellend lässt sich das einfach nicht lösen.

Defensive Pass Interference ist auch im College ein Spot Foul, allerdings nur bis zur Distanz von 15 Yards. Ich mag die College-Regel etwas lieber, da das Pendel gerade in den letzten ca. 15 Jahren doch sehr zu Gunsten der Offenses ausgeschlagen ist. Allerdings kann ich nicht beurteilen, inwiefern eine solche Regel in der NFL bei tiefen Pässen zu sehr ‚missbraucht‘ werden würde, da die Strafe im Notfall doch recht gering erscheint.

Zur Game Clock beim Erreichen eines 1st Downs habe ich ehrlich gesagt keine klare Meinung. Es verlängert das Spiel und hilft der Offense bei ihren Two-Minute Drives, dadurch sind die Finishes im College Football vielleicht noch ein wenig dramatischer.

Der Job des Head Coaches in der NFL und im College unterscheiden sich fundamental. Kannst Du den nicht so sehr in der Materie bewanderten einmal kurz die Aufgabenfülle eines Head Coaches im College erläutern und dabei insbesondere aufs Recruiting eingehen?

Jan Weckwerth: Die Aufgaben der Head Coaches im College Football sind insbesondere durch das Recruiting ungleich komplexer. Ich versuche mich mal kurz zu halten und nicht zu sehr in die Tiefe zu gehen: Im Gegensatz zur NFL gibt es ja keine Draft, in der man sich die Dienste der begehrtesten Highschool-Spieler sichern kann, sondern man unterbreitet ihnen ein Scholarship Offer (also das Angebot eines Stipendiums) und muss sie von sich persönlich und seinem Programm überzeugen. In der FBS (der höchsten College-Division) darf man 85 Scholarships zeitgleich vergeben, also meist so zwischen 20 und 25 pro Jahr. Das Team wird dann noch weiter mit Walk-ons aufgefüllt, die kein Stipendium haben.

Als Coach besucht man die diversen Camps im Sommer, auf denen sich die besten Talente präsentieren, und fliegt unter der Saison an freien Tagen oder Wochenenden quer durchs Land, um sich mit Recruits zu treffen. Das gilt übrigens nicht nur für die Head Coaches, sondern auch für die Assistants. Mittlerweile beginnt das Werben um die begehrtesten Spieler immer früher, so dass Jahre im Voraus die ersten Angebote unterbreitet werden. Da in der Regel mehrere Teams an einem Recruit interessiert sind, muss man sich mächtig ins Zeug legen, sein Programm und sein Coaching ins beste Licht rücken. Das reicht vom allgemeinen Erfolg des Teams über den Verweis, welche Spieler man auf der Position des Recruits in die NFL gebracht hat, bis hin zu dem einen oder anderen voreiligen Versprechen in Sachen Playing Time. Die Ausstattung der Unis (Facilities, Stadion etc.) spielt natürlich ebenfalls eine gewichtige Rolle.

Aber selbst wenn ein Recruit committet, also sich für dein Team entschieden hat, musst du ständig am Ball bleiben und präsent sein, damit er sich bis zum National Signing Day nicht doch noch um entscheidet. Natürlich – da müssen wir uns keinen Illusionen hingeben – agieren doch so einige Teams und Verantwortliche mit unlauteren Mitteln. Bekanntheit erlangte der Skandal um SMU Mitte der 1980er Jahre, als das Programm nach wiederholten Verstößen den „Death Penalty“ (also die Einstellung des Football-Programms) erhielt. Heute läuft das meist versteckter und professioneller ab, doch kommen immer mal wieder Skandale ans Licht.

Recruiting ist insgesamt ein extrem stressiger Job, und es gibt einige Coaches, die das regelrecht hassen. Nur kommt man anders halt nicht an den Nachwuchs ran.

In der NFL ist seit Einführung des Salary Caps die Errichtung einer Dynasty praktisch die Ausnahme geworden und in den letzten 20 Jahren stellen nur die New England Patriots eine Ausnahme dar. Im College dominieren seit Jahren/Jahrzehnten die großen Universitäten aus den Power Five Conferences und Außenseitern ist es kaum möglich in diese Riege einzudringen. Was steckt alles hinter dieser Dominanz der Power Five? Wie viele Ressourcen stecken gerade Teams wie Alabama, Clemson, Ohio State, Oklahoma in die Aufrechterhaltung dieser Vormachtstellung? Was machen dagegen Programme wie Tennessee oder auch Nebraska in den letzten Jahren falsch? 

Jan Weckwerth: Das läuft so ein wenig nach dem Motto „Wer viel hat, dem wird gegeben“. Erfolgreiche stabile Programme, die zudem regelmäßig viele Spieler in die NFL bringen, haben natürlich gewichtige Argumente, die besten Recruits von sich zu überzeugen. Daher kommt es immer mal wieder zu Dynastien, wobei die von Alabama die mit Abstand längste der letzten Jahrzehnte ist. Natürlich spielen Investitionen eine große Rolle (von Coaches bis zu den Facilities), weswegen die traditionsreichen Colleges einen Vorteil haben, da sie reiche Booster (in der Regel Alumni der Uni) im Hintergrund haben, die ordentlich Geld reinbuttern.

Dennoch hängt einfach so viel am Coaching und der Talententwicklung. Die vier von euch genannten Unis sind ja nicht die einzigen, die regelmäßig Top-Recruits an Land ziehen, aber sie verstehen es eben besser als andere, das Talent in seiner Gänze auch auf den Rasen zu bringen. Gerade Clemson ist dafür ein exzellentes Beispiel: Die Tigers sind historisch betrachtet nämlich keineswegs ein besonders erfolgreiches oder prestigeträchtiges Footballprogramm, das automatisch Vorteile im Recruiting besitzt. Dort hat HC Dabo Swinney aus gutem, aber nicht überragendem Talent ein echtes Topteam geformt, was dann mittelfristig große Auswirkungen aufs Recruiting hatte. Wer Spieler so gut entwickeln kann, ist aus Perspektive der Recruits natürlich hochinteressant. Mittlerweile hat Clemson regelmäßig Top 10 Recruiting-Klassen – und diese Saison kündigt sich eine absolut historische Klasse an mit aktuell sechs 5-star Commits (also grob 6 der besten 30 Talente des Landes). Es ist also durchaus möglich, in die Riege der Großen einzubrechen. Und andersrum verschwinden selbst legendäre Dynastien wie USC Anfang/Mitte der 00er Jahre manchmal schneller, als man denkt.

Allerdings habe ich schon den Eindruck, dass die Schere größer geworden ist. Die Topteams bekommen immer mehr Toptalente, und das Scouting hat sich professionalisiert, so dass weniger Spieler als früher unter dem Radar bleiben. Die Ergebnisse der Topteams sind selbst gegen gute Gegner oft sehr deutlich, wodurch die Spannung ein wenig auf der Strecke bleibt. Die Tendenz beobachte ich jetzt schon seit ein paar Jahren.

Noch kurz zu Tennessee und Nebraska: Beide haben mit Jeremy Pruitt bzw. Scott Frost neue Coaches in ihrem zweiten Jahr. Die müssen erstmal ihr System implementieren, sich die geeigneten Talente sichern und diese weiterentwickeln. Das braucht im College Football in den allermeisten Fällen Zeit, wenn die Programme vorher längere Durststrecken hatten. Nebraska hat zusätzlich das Problem, das der Staat nicht unbedingt reich mit Highschool-Talenten beschenkt ist und man daher viel außerhalb rekrutieren muss – was als weniger erfolgreiches Team immer schwierig ist. Bei beiden gilt: Stellt sich 2020 Erfolg ein, kann der Weg zumindest ein wenig weiter nach oben führen. Die Topteams sind aktuell jedoch schon ziemlich enteilt.

Die NCAA hat die Transferregeln vor kurzem erst gelockert. Konnte früher nur ein Graduate in seinem letzten Jahr für eine andere Universität sofort ohne Sperre spielen mussten alle anderen erst einmal ein Jahr aussetzen. Nun können Spieler, die sich bei Universität nicht durchgesetzt haben über das Transfer Portal die Universität wechseln und in vielen Fällen sofort spielen. Hat man eine Art Free Agency geschaffen und wie findest Du die Regelung? Gerade bei Quarterbacks hat man den Eindruck, dass viele lieber transferieren (zum Beispiel Justin Fields, Tate Martell oder auch Jacob Eason), als um den Job als Starter zu kämpfen. 

Jan Weckwerth: Das ist nicht ganz korrekt. Wenn man kein Graduate ist, muss man bei einem Transfer weiterhin ein Jahr aussetzen – es sei denn, man besitzt eine Exemption. Diese werden allerdings etwas großzügiger vergeben, allerdings muss weiterhin ein triftiger Grund vorliegen. Für die meisten Spieler hat sich hier nichts geändert. Was sich geändert hat, ist das so genannte Transfer Portal. Brauchte man zuvor die Erlaubnis der Uni, kann man sich nun einfach in das Portal eintragen und ab dem Moment dürfen andere Coaches Kontakt aufnehmen. Insgesamt ist die Zahl der Transfer stark angestiegen, übrigens auch die der Graduate Transfers. War das früher die Ausnahme, findet man heute in fast jedem Team Graduate Transfers. Viele gute Backups oder Borderline Starter nutzen so die Gelegenheit, sich noch einmal etwas stärker präsentieren zu können.

Ich persönlich befürworte die Regelung und wäre bereit für eine weitere Lockerung (inwieweit, müsste man diskutieren). Schließlich dürfen Coaches beliebig wechseln, und die Spieler, die sich für den entsprechenden Coach entschieden haben, bleiben am Programm kleben. Daher finde ich eine Anpassung nur fair. Eine Free Agency ist das allerdings noch nicht.

Ihr habt einen Nebeneffekt des Ganzen oben schon angesprochen: Wenn die Spielzeit zu gering ausfällt, ist der Weg zum Transfer Portal mitunter kurz. Sich durchbeißen und über eine gewisse Zeit um den Job als Starter kämpfen kommt zunehmend seltener vor. Gerade bei Quarterbacks ist das zu beobachten: Fällt die Entscheidung für den Konkurrenten, steht spätestens in der nächsten Offseason der Transfer an. Wo wir gerade davon sprechen, haben diese Saison gleich drei der vier Halbfinalisten einen Transfer QB: Oklahoma (Jalen Hurts, zuvor Alabama), Ohio State (Justin Fields, zuvor Georgia) und LSU (Joe Burrow, zuvor Ohio State).

Geschichten wie die von Matt Flynn, der bei LSU drei Jahre hinter JaMarcus Russell wartete und dann in seiner Senior Season die Tigers zur National Championship führte, werden wir wohl nicht mehr oft erleben.

Nur vier Teams erreichen die College Football Playoffs und am Ende entscheidet ein 13köpfiges Komitee über die teilnehmenden Teams. In diesem Komitee hatte zu Beginn auch die US-Außenministerin Condoleezza Rice einen Platz. Die Sitze in dem Komitee rotieren, aber von den Power Five Conferences sind immer Mitglieder vertreten. Wäre ein Playoff Format mit acht Teams, bestehend aus den fünf Champions der Power Five Conferences SEC, Big Ten, Big 12, ACC und Pac-12, sowie den besten zwei Teams aus den kleineren Conferences und ein freies Überraschungsteam nicht der richtige Weg in die Zukunft? 

Jan Weckwerth: Das ist eine schwierige und kontrovers diskutierte Frage. Meine subjektive Meinung: Ich finde man sollte es bei dem derzeitigen Modus belassen. Was ich am College Football so schätze, ist die enorm wichtige Regular Season. Man darf sich einfach keinen Ausrutscher leisten, dadurch hat jedes Spiel eine überragende Bedeutung. Ich bin ja zu einer Zeit Fan geworden, in der es weder Playoffs noch das BCS-Endspiel gab, sondern sich die Conference-Sieger in ihren traditionellen großen Bowls getroffen haben, beispielsweise die Sieger der Big Ten und Pac-10 im Rose Bowl. Das hat mich sicherlich geprägt und ich gebe gerne zu, dass ich in solchen Punkten manchmal Traditionalist bin.

Der aktuell prominenteste Erweiterungsvorschlag sieht neben den fünf Conference Champions das beste Team aus den Mid-Majors (also den 5 kleineren Conferences) und zwei at-large Teams vor, also den am höchsten gerankten Non-Conference Champions.

Bei einer Erweiterung der Playoffs befürchte ich eine Entwertung der Regular Season. Verhältnisse wie im College Basketball halte ich für nicht erstrebenswert. Nur die allerbesten Teams der regulären Saison sollten überhaupt eine Chance auf die Meisterschaft haben – und nicht welche mit drei Niederlagen, die irgendwie ihre Conference gewonnen haben. Andere Teams wiederum könnten sich in der Rivalry Week, also der Woche vor dem Championship Game, schonen, weil ihre Teilnahme daran schon feststeht. Die aktuelle Saison ist meiner Ansicht nach ein gutes Argument gegen die Erweiterung: Eigentlich haben nur LSU, Ohio State und Clemson die Playoffs wirklich verdient. Ein 8er- oder gar 16er-Playoff würde einfach nur mehr Teams die Chance ermöglichen. In einem Spiel kann schließlich viel passieren, das erleben wir ja auch jede Woche in der NFL.

In kurz: Ich bevorzuge die Relevanz der regulären Saison gegenüber zu sehr aufgeblähten Playoffs. Ich weiß aber, dass ich da eine Minderheitenmeinung vertrete.

Jetzt neigt sich die College Football Saison schon dem Ende damit den College Football Playoffs und den Bowl Games entgegen. Was sind für Dich die Überraschungen der Saison? Ist es LSU im positiven und Nebraska sowie Texas im negativen?

Jan Weckwerth: Insgesamt war es erneut eine Saison, in der so die ganz großen Überraschungen ausblieben. Im positiven muss man natürlich LSU nennen – weniger wegen der Bilanz, vielmehr wie sie zustande gekommen ist. In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben die Tigers ihre Spiele mit starker Defense und einem physischen Running Game um Spieler wie Fournette oder Guice gewonnen. Dass QB Joe Burrow und das Passing Game um die herausragenden Receiver Ja’Marr Chase und Justin Jefferson so explodieren, hat wohl niemand kommen sehen. Viel hängt mit Joe Brady zusammen, dem neuen Passing Game Coordinator, der zuvor bei den New Orleans Saints mit Drew Brees arbeitete und einige dieser Pass-Konzepte bei den Tigers implementierte.

Als weitere positive Überraschung ist definitiv Baylor zu nennen, bei denen HC Matt Rhule nach den schlimmen Skandalen quasi aus dem Nichts innerhalb von zwei Jahren ein 1-11 Team in das Big 12 Championship Game und den Sugar Bowl führte. Mögen muss ich das Programm deswegen dennoch nicht. Eine tolle Entwicklung hat auch Minnesota im dritten Jahr von HC P.J. Fleck genommen: 10 Siege, die erfolgreichste Saison seit über 50 Jahren und nur knapp am Big Ten Championship Game gescheitert.

Bei den kleinen Conferences hat mich der Turnaround von Central Michigan begeistert: Dort hat der ehemalige Florida HC Jim McElwain ein 1-11 Team übernommen und im ersten Jahr gleich ins MAC Championship Game geführt.

Bei den Enttäuschungen tue ich mich schon schwerer. Ihr habt recht, Texas hatten viele höher eingeschätzt, aufgrund der Abgänge in der Defense war das aber ein schwereres Unterfangen als gedacht. Meine Nebraska Cornhuskers haben vor der Saison viel Hype bekommen, den ich allerdings damals schon übertrieben fand. Dennoch hätte ich definitiv erwartet, dass man sich zumindest für einen Bowl qualifiziert. Das Rebuilding dauert wohl doch ein bisschen länger, als man nach dem guten Saisonende 2018 erwartet hatte. Andere Teams, denen ich vor der Saison mehr zugetraut hatte, sind etwa Washington oder Michigan State.

Welches Team wird sich aus Deiner Sicht in den College Football Playoffs durchsetzen? Wird Clemson seinen Titel trotz der vielen Abgänge durch den Draft verteidigen können? Kann LSU mit Joe Burrow den Titel ins Death Valley holen?

Jan Weckwerth: Ich glaube uns erwarten enorm spannende Playoffs mit den drei absoluten Topteams LSU, Ohio State und Clemson, bei denen es wohl auf die Tagesform ankommen wird. Oklahoma ist dagegen klarer Außenseiter. Gefühlt halte ich Clemson für einen kleinen Tick schwächer, aber der Eindruck mag daher rühren, dass die Tigers eigentlich keinen starken Gegner hatten. Die letzten Wochen waren allerdings extrem dominant, die Form stimmt also. Ohio State gegen Clemson wird ein gigantisches Duell.

Ich bin bekannt als wirklich schlechter Tipper, von daher tut es mir leid, dass ich jetzt ein Team jinxen muss. Ohio State ist extrem ausgeglichen besetzt, und dennoch würde ich ganz knapp auf LSU setzen. Die Defense der Tigers war trotz diverser absoluter Topstars (u.a. Delpit, Fulton, Stingley, Chaisson) zwar überraschend inkonstant, aber Burrow spielt gerade schlicht von einem anderen Stern, wie ich es ganz selten erlebt habe. Letztlich sind die drei Teams auf dem Papier sehr eng beieinander. Ich bin wahnsinnig gespannt.

Schon die ganze Saison wird über die möglichen Heisman-Trophy-Winner für den besten College Spieler der Saison diskutiert. Durch die starken Leistungen in den Spielen gegen gerankte Teams hat sich Quarterback Joe Burrow von LSU in den Kreis der Favoriten gespielt. Quarterback Justin Fields von den Ohio State Buckeyes wird auch gern genannt, dazu sind DE Chase Young von Ohio State und QB Jalen Hurts von Oklahoma die diesjährigen Finalisten. Wen siehst du vorne?  

Jan Weckwerth: Burrow. Zwar hat Chase Young unfassbar dominante Leistungen gezeigt, wie ich sie schon lange nicht mehr von einem D-Liner erlebt habe, doch haben es Defense-Spieler bei der Heisman-Wahl naturgemäß schwer. Daher muss man leider schon den Finaleinzug als großen Erfolg werten, obwohl der für Young selbstverständlich sein müsste. Aber da Ndamukong Suh seinerzeit keine Heisman gewonnen hat, steht sie auch keinem anderen Defender zu. Kleiner Scherz.

Mit Joe Burrow hatte vor der Saison niemand gerechnet, aber seine Saison verlief so überragend, dass schlicht kein Weg an ihm vorbeiführt. Burrow hat sich zu einem ziemlich kompletten Quarterback entwickelt, der der entscheidende Baustein für die neue LSU-Offense ist. Seine Statistiken sprechen für sich: eine unglaubliche Completion Percentage von 77.9%, 4715 Pass Yards (10.7 per Attempt), 48 TDs, 6 INTs, dazu noch 289 Rush Yards und 3 TDs. Und dennoch verraten sie nicht einmal ansatzweise seinen Impact. Burrow ist nicht nur unfassbar akkurat und hat ein tolles Ball Placement, was ihn wirklich heraushebt (und auch für die NFL extrem interessant macht) ist seine Pocket Presence und sein Verhalten gegen Pressure. Er ist so unfassbar poised und gerät nie in Panik, starkes Manövrieren in der Pocket, kann sich aus Tackle-Versuchen herauswinden und behält dabei die Augen immer Downfield. Ich habe in den letzten Jahren im College keinen QB erlebt, der so gut gegen Pressure spielt. Spielintelligenz trifft auf den It-Factor, wenn man so will.

Justin Fields hat eine fantastische Saison gespielt und besticht neben seiner Athletik durch einen exzellenten Arm und Deep Balls. Er wird in der kommenden Saison einer der Top-Favoriten für die Heisman sein.

Jalen Hurts hatte einen großartigen Saisonstart, in den letzten Wochen jedoch ein wenig abgebaut und sich schlicht zu viele Turnover geleistet. Seine Statistiken sind allerdings weiterhin grandios, insbesondere da er auch noch für über 1200 Yards und 18 TDs gelaufen ist.

Trotz der starken Konkurrenz vermute ich, dass Burrow die Heisman mit einem beträchtlichen Abstand gewinnen wird – vielleicht sogar mit einem der deutlichsten Siege des letzten Jahrzehnts.

Ist die Auszeichnung mit der Heisman Trophy überhaupt ein Segen für den Spieler? Wenn man sich die Karrieren von zahlreichen Heisman Siegern in der NFL anschaut, kann man nicht unbedingt davon ausgehen, dass aus einem Heisman Sieger in der NFL ein Star wird. Erschreckende Beispiele sind Ricky Williams, Chris Weinke, Matt Leinart, Johnny Manziel oder auch Tim Tebow. Bei zwei ehemaligen Heisman Trophy Winnern (Marcus Mariota und Jameis Winston) weiß man nicht, ob sie überhaupt nach Auslaufen ihres Rookie Vertrages inklusive der 5th-Year-Option noch bei der Franchise sind. Bei den letzten drei Siegern, Lamar Jackson, Baker Mayfield und Kyler Murray sieht es derzeit ganz gut aus.

Jan Weckwerth: Zunächst mal muss ich darauf insistieren, dass die Heisman Trophy zwar die größte individuelle College-Auszeichnung ist, aber nichts über die spätere NFL-Karriere des Spielers aussagen soll. Die NFL draftet ja nicht unbedingt die besten College-Spieler, sondern die für ihr System geeignetsten. Das sieht man insbesondere bei den Quarterbacks recht gut: Tim Tebow war einer der besten College-Spieler, die ich je gesehen habe, und dennoch nie ein wirklich guter NFL Prospect. Da kommt dann eben die große Reichweite der Systeme ins Spiel, die ich oben ansprach. Über lange Zeit hatten Dual-Threat QBs, die nicht die technisch saubersten Passer waren und viele Plays außerhalb der Pocket und auch der Play Structure machten, wenig Chancen in der NFL. Das hat sich zum Glück geändert. Insgesamt hat sich die NFL in diesem Jahrzehnt schematisch so stark aufs College zubewegt wie vielleicht noch nie.

Ricky Williams gehört für mich übrigens nicht in diese Liste. Dass er nicht so dominant agierte wie am College, hatte nicht unbedingt spielerische Gründe. Und er konnte ja nun wirklich nichts dafür, dass Mike Ditka vollkommen hirnrissig mehr als eine komplette Draftklasse für ihn verscheuert hat.

Nach den College Football Playoffs geht es mit großen Schritten in Richtung Draft. Welche Spieler würdest Du NFL Teams fett ins Buch schreiben, die vielleicht nicht so sehr im Rampenlicht der Medien stehen? Welche Spieler werden aus Deiner Sicht überraschen können? 

Jan Weckwerth: Diese Frage fällt mir aus verschiedenen Gründen schwer zu beantworten: Erstens wissen wir noch gar nicht, wer sich alles zu Draft meldet und wer vielleicht doch noch für seine Senior Season ans College zurückkehrt. Zweitens sind die aktuellen Rankings auf den einschlägigen Seiten nur sehr bedingt aussagekräftig. In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, dass die Einschätzungen, Rankings und Mockdrafts vom Dezember fundamental anders ausfielen als die Einschätzungen vom April. Spieler, die jetzt medial hochgehandelt werden, können noch aus den ersten Runden fallen, andere werden meteoritenhafte Aufstiege erleben. Momentan ist alles noch viel zu fluide. Zudem muss ich zugeben, dass ich gar nicht so genau weiß, welcher Spiele (abseits von den absoluten Topstars) momentan medial im Rampenlicht stehen. Drittens sind noch die Auswahlspiele und die Combine abzuwarten. Die Messungen dort haben schon eine gewisse Relevanz. Wenn etwa ein Cornerback, der durch ein Zone-basiertes Scheme selten tief geschlagen wurde, nun aber eine 40-time von über 4.6 läuft, hat das eben Auswirkungen auf seine Projectability für die NFL. Viertens befinde ich mich persönlich momentan noch im Scouting für die College-Saison, sprich: Ich betrachte Skills eher aus der Matchup-Perspektive und weniger bezüglich ihrer Transferierung auf die NFL (wenngleich es da natürlich Überschneidungen gibt). Erst nach Ende der College-Saison fange ich an intensiv Play-by-Play zu scouten.

Daher könnte ich momentan zwar bestimmt 200 Spieler nennen, die ich auf die eine oder andere Weise spannend finde, aber kein genaues Ranking veröffentlichen. Wer zu einem bestimmten Spieler meine vorläufige Einschätzung erfahren will, kann den Namen einfach in die Suchleiste meines Blogs eingeben. Die allermeisten Prospects habe ich in den vergangenen zwei Jahren mindestens einmal besprochen. Ich weiß, dass so eine Antwort die Leserschaft enttäuscht, die unbedingt ein paar Namen haben will. Kommt alles mit der Zeit – und auf einige Spieler gehe ich bei der nächsten Frage ein.

Welche Positionsgruppe wird im kommenden Draft die Tiefste sein? Im vergangenen Draft war es die Defensive Line. Nun könnte es die Offensive Line sowie Wide Receiver sein. Was ist Deine Einschätzung?

Jan Weckwerth: Auch hier der Disclaimer vorweg, dass wir noch nicht genau wissen, wer alles in der Draft landet. Grundsätzlich sind die Receiver absolut pervers. Ich kann mich in all den Jahren an keine talentiertere und tiefere WR Class erinnern: die drei Alabama-WR Jerry Jeudy, Henry Ruggs und DeVonta Smith, Oklahomas CeeDee Lamb, Clemsons Tee Higgins, Colorados Laviska Shenault, TCUs Jalen Reagor etc. pp. Darüber hinaus gibt es eine Menge Prospects, die ich schätze und die voraussichtlich etwas später zu haben sind: etwa Tyler Johnson (Minnesota), Denzel Mims (Baylor) oder Devin Duvernay (Texas), um nur einige wenige zu nennen. Eine Schwäche habe ich für Gabriel Davis (UCF), Antonio Gandy-Golden (Liberty), Sage Surratt (Wake Forest) und John Hightower (Boise State), aber da muss ich natürlich noch ins Detail gehen. Echte Sleeper, die noch vollkommen unter dem Radar laufen, sind etwa die beiden Memphis WR Damonte Coxie und Antonio Gibson. Ich merke, ich verrenne mich hier schon wieder. Ich glaube bei dieser Klasse aber wirklich, dass man noch in den späten mittleren Runden Receiver mit Starterpotenzial finden wird. Ein wirklich riesiger Talentpool! Dafür werden die TEs insgesamt nicht an die herausragende letzte Klasse heranreichen.

Die RBs sind extrem tief und deutlich talentierter als etwa im vergangenen Jahr, allerdings hat die Bedeutung der Position in der NFL ja sukzessive abgenommen, so dass sich das nicht unbedingt in vielen hohen Draftpicks äußern muss.

Die von euch angesprochene O-Line sieht mittlerweile besser aus als vor ein paar Monaten, gerade was die OT-Position betrifft. Hervorheben möchte ich noch die Cornerbacks, die im Vergleich zur letzten Klasse sowohl stärker top-heavy als auch tiefer ausfallen werden. Hier wird eine Menge Talent am Start sein, das eine Chance auf einen frühen Pick hat: allen voran Jeff Okudah von Ohio State, seine Teamkollegen Shaun Wade und Damon Arnette sind ebenfalls nicht zu verachten, dazu kommen unter anderem Kristian Fulton (LSU), Trevon Diggs (Alabama), CJ Henderson (Florida), AJ Terrell (Clemson) und Paulson Adebo (Stanford). Auch im (aktuellen) Bereich dahinter gibt es einige spannende Prospects, die evtl. noch nicht den ganz großen Hype abbekommen, etwa Jaylon Johnson (Utah), Essang Bassey (Wake Forest) oder Cam Dantzler (Mississippi State). Bei den Safeties und insbesondere den Off-Ball Linebackern sehe ich dagegen aktuell weniger Talent.

Darüber spreche ich aber gern noch einmal genauer und ausführlicher, wenn wir alle verfügbaren Informationen beisammenhaben.

Jetzt wagen wir noch ein kleines Experiment: Angenommen, Du bist der Chefscout der San Francisco 49ers und musst General Manager John Lynch und Head Coach Kyle Shanahan nach Abschluss dieser Spielzeit ein Draftboard vorstellen. Welche Spieler und welche Positionen würdest Du den 49ers für die erste Runde an Herz legen? Davon kann viel abhängen, denn das Team hat keinen Pick in der zweiten (an Kansas City für Dee Ford) und dritten Runde (an Denver für Emmanuel Sanders). Wir sind gespannt!

Jan Weckwerth: Das traue ich mir momentan noch nicht zu, vor allem da ich nicht eure Expertise in Bezug auf die 49ers habe. Ich kenne eure Schwächen nur ganz oberflächlich und weiß auch nicht genau, welche Verträge auslaufen. Davon abgesehen sind die medialen Draftboards wie gesagt noch viel zu fluide, insbesondere für die Positionen am Ende der ersten Runde. Ich gehe mal davon aus, dass ihr bei der Frage den 32. Pick im Auge hattet, oder?

Grundsätzlich gehöre ich gerade in der ersten Runde eindeutig zur Fraktion BPA (Best Player Available). Needs decke ich lieber in der Free Agency ab oder notfalls in den mittleren Runden, wo die Unterschiede zwischen den Prospects nicht mehr ganz so gravierend ausfallen. In der ersten Runde will ich einen echten Difference Maker bekommen, egal auf welcher Position (Ausnahme natürlich QB, wenn ich da schon top besetzt bin). Das gilt insbesondere für die besten Teams, da die in der Regel eben weniger offensichtliche Lücken haben. Ich würde bei einem Spot zwischen #28 und #32 grundsätzlich ganz entspannt warten, da meistens ein oder zwei deutlich höher eingeschätzte Prospects überraschend fallen, von denen wir heute noch annehmen, dass sie sicher in den Top 15 gehen. Uptrade fällt ja eh flach, und wenn sich ein leckeres Downtrade-Angebot ergibt und man viele Spieler ähnlich hochgerankt hat, kann man ja vielleicht noch einen Mid-Round Pick abstauben.

Berichtige mich, wenn ich mich irre, aber nach einer kurzen Recherche scheinen einige Seiten eine Auffrischung der Interior OL oder der Secondary zu bevorzugen. Bezüglich ersterem könnte man etwa schauen, ob ein Creed Humphrey (Oklahoma) oder Tyler Biadasz (Wisconsin) verfügbar ist und dem FO zusagt. Cornerbacks habe ich ja oben schon angesprochen. Hier liegt der zusätzliche Vorteil darin, dass viele davon große und lange CBs sind, auf die die 49ers bekanntlich stehen. Vielleicht fällt euch ja auch ein S wie Xavier McKinney (Alabama) in den Schoß, wer weiß?

Wenn die Draftsaison beginnt, die Reihenfolge der Picks sowie die gemeldeten Prospects feststehen, können wir uns gerne etwas mehr im Detail darüber unterhalten. Dazu bin ich immer gerne bereit.

Wir bedanken uns herzlich für das aufschlussreiche, ausführliche und interessante Interview und wünschen Dir für alle Projekte nur das Beste. Deinen Content können und werden wir jedem College Fan gern ans Herz legen. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir ins vor dem Draft 2020 erneut mit Dir auseinandersetzen dürfen!