Profil

Bitte melde dich an, um auf dein Profil zugreifen zu können.

Warenkorb

23. Juli 2021

49ers Germany

Official 49ers Fan Chapter, part of Niner Empire.

Beyond the Horizon 42 – Draft Special: Quarterbacks

10 min read

Das lange Warten hat fast ein Ende! Morgen Nacht steht die erste Runde des virtuellen NFL Drafts an und Commissioner Roger Goodell wird aus seinem Keller die gewählten Picks verkünden. Die Spannung steigt praktisch bis ins unermessliche sobald „The Pick is on“ aufleuchtet und der Commissioner, diesmal wahrscheinlich ohne Buhrufe, verkündet: „With the 1st Pick in the 2020 NFL Draft the Cincinnati Bengals select…“ Und anschließend fallen die Draftboards mit jedem Pick ein wenig weiter auseinander und die Mock Drafts verabschieden sich.

Im letzten Teil des Draft Specials 2020 von Beyond the Horizon stellen wir Euch mit unseren vier deutschen Experten die Kandidaten für die vielleicht wichtigste und anspruchsvollste Position im gesamten Sportbereich vor: Quarterbacks! Jan Weckwerth vom Triple Option Blog, Christian Schimmel von DerDraft.de, Peter Schindler vom Student Section Podcast und Julian Barsch, der Gastgeber des Saturday Kickoff Podcast ist, stehen uns auch in der neunten Ausgabe des Draft Specials mit Rat und Einschätzungen zur Seite. Unsere vier deutschsprachigen Experten, die sich viel mit College Football auseinandersetzen und ihr Wissen in Blogs und Podcasts teilen, haben uns ihre Top Prospects und Sleeper mit auf den Weg gegeben.  

Nur drei Quarterbacks wurden 2019 in der ersten Runde ausgewählt

Letztes Jahr wurden im Draft in der ersten Runde nur drei Signal Caller ausgewählt. Für die erste Überraschung sorgten die Arizona Cardinals mit der Auswahl von Kyler Murray (Oklahoma) mit dem First Pick Overall. Bereits im Draft 2018 hatten die Cardinals Quarterback Josh Rosen von der UCAL gezogen. Mit Daniel Jones (Duke) drafteten die New York Giants den Nachfolger von Eli Manning an Position sechs. Die Washington Redskins sahen in Ohio State Quarterback Dwayne Haskins ihren Franchise Quarterback und griffen mit dem 15. Pick Overall. In Runde zwei und drei des Drafts gingen mit Drew Lock (Missouri) zu den Denver Broncos und Will Grier (West Virginia) zu den Carolina Panthers auch nur zwei weitere Quarterbacks vom Board.  

Sehen wir erneut eine Überraschung, wenn die Washington Redskins „on the clock“ sind? In diesem Jahr scheint noch mehr möglich als unter normalen Umständen. Unsere vier Experten stellen Euch ihr Top Prospect sowie einen Sleeper vor. Viel Spaß!

TOP PROSPECT QUARTERBACK

JAN WECKWERTH – TRIPLE OPTION BLOG: JOE BURROW (LSU)

Keine Überraschung hier. Ein fitter Tua wäre sicher eine größere Konkurrenz geworden, aber unter den aktuellen Umständen muss die Wahl hier auf Joe Burrow fallen. Die Entwicklung von Burrow von einem soliden College-Starter zu dem designierten #1 Overall Pick ist eine der krassesten Geschichten, die ich im College Football je erlebt habe. Vor einem Jahr hätten ihn die wenigsten überhaupt in den ersten drei Runden erwartet.

Und doch ist dieser Höhenflug absolut verdient und lässt sich auf Tape untermauern. Burrow verfügt über eine Skills, die ihn zu einem der besten QB-Prospects der letzten Jahre machen: Erstens eine unglaubliche Genauigkeit in seinen Pässen; und zwar nicht nur das Treffen des Receivers, sondern auch die Stelle, an die er den Ball legt, und das oftmals abhängig von der konkreten Coverage. Insbesondere bei tiefen Pässen sieht dies absolut eindrucksvoll aus, ob er sich meinetwegen für den Backshoulder Pass oder eher für den Jump Ball entscheidet. Was hierbei schon durchklingt, ist sein zweites überragendes Trait, und zwar die Spielintelligenz: Er erkennt Defense Schemes und Coverages extrem schnell und kann sofortig darauf reagieren.

Nur selten trifft er die falsche Entscheidung. Drittens, gerade für die NFL-Projection besonders wichtig: seine Pocket Presence. Burrow ist überraschend mobil und brilliert mit exzellentem kontrolliertem Footwork in der Pocket. Oftmals ist es kaum glaubhaft, wie er sich in jede beliebige Richtung aus Druck rausschlängeln kann und dabei die Augen weiterhin konsequent Downfield bei den Passrouten behält – als ob er ein weiteres Paar Augen hätte. Zugleich gerät er aber auch nicht in Panik, wenn kein Druck kommt, sondern seziert in Ruhe die Defense. Manchmal muss er aufpassen, hierbei nicht „too cute“ zu werden, doch eigentlich sehe ich wenig Anpassungsprobleme. Er hat nicht den absoluten Raketenarm, doch reicht seine Armstärke locker aus. Bei Scrambles sollte er lernen, nicht Kopf voran den letzten Zentimeter rauszuholen. Insgesamt ein Blue Chip Prospect.

Hier klicken, um den Inhalt von anchor.fm anzuzeigen

JULIAN BARSCH – SATURDAY KICKOFF PODCAST: TUA TAGOVAILOA (ALABAMA)

Da sie bei mir praktisch gleichauf sind (ohne Verletzungen einzubeziehen), schreibe ich an dieser Stelle mal über Tua Tagovailoa. 2017 ist er als 5-Star Prospect und Top 3-QB aus der High School von Hawaii nach Alabama gegangen, um dort eine beeindruckende College Karriere hinzulegen. Lange galt Tua als der beste Quarterback dieser Klasse und dann kamen viele Verletzungen und eine heftige Saison von Joe Burrow. Allerdings darf man bei all dem nicht vergessen, wie gut Tua wirklich war. Nur wenige Quarterbacks haben jemals solch eine Leistung im College Football erbracht. Mit seinem tollen und effizienten Release bringt er den Ball mit enormer Genauigkeit an den Mann. Gerade bei tiefen Pässen ist der 22-Jährige sehr stark, außerdem hilft ihm sein hoher Football-IQ.

Er steuert die Safeties regelmäßig mit seinen Augen, bewegt sich mit guter Fußarbeit und hat dann einen tollen Touch und starkes Ball Placement. Also was ist das Problem? Erstmal sind da vor allem die Verletzungen. Nachdem er sich gegen Ende der Saison schwer an der Hüfte verletzt hat, sind die Medicals nun die große Frage. Aber auch vorher war bereits häufiger angeschlagen. Außerdem hat er nicht den stärksten Arm und ist unter Druck nicht auf dem Level wie ein Burrow. Diese Playmaking-Fähigkeit, die heutzutage an einem Mahomes oder Wilson so geschätzt wird, sollte man nicht von ihm erwarten. Trotz alledem ist Tua ein Quarterback, der gerade im Flow der Offense viel Schaden anrichten kann und vom reinen Talent her eines der besten Prospects dieser Draft Klasse ist.

PETER SCHINDLER – STUDENT SECTION PODCAST: JOE BURROW (LSU)

Vom Game Manager zum absoluten Superstar des College Footballs und mit hoher Wahrscheinlichkeit Nr. 1 Draft-Pick in nur einer Saison. Das ist Joe Burrow. Ja, er hat in einem System gespielt, was ihm vieles erleichtert hat und ja, er hat unglaublich riesiges Talent um sich rum, aber er hat den wesentlichen Teil zum Erfolg der LSU Tigers beigetragen. Ich liebe seinen elite Football-IQ. Dieser ermöglicht ihm überdurchschnittlich häufig sehr gute Entscheidungen zu treffen und die Bälle so dermaßen on Point an den Receiver zu platzieren, wie kaum ein anderer Quarterback der diesjährigen Draft-Klasse. Dabei hat er nicht mal den besten Arm, aber sein Ball-Placement ist über jeden Zweifel erhaben. Seine stoische Ruhe in der Pocket und sein Talent gekonnt Druck auszuweichen sind zwei weitere exzellente Qualitäten. Wenn man etwas Negatives finden möchte, dann vielleicht sein vergleichsweise hohes Draftalter.

CHRISTIAN SCHIMMEL – DERDRAFT.DE: TUA TAGOVAILOA (ALABAMA)

Nach den meisten Kriterien ist Joe Burrow der sicherere Prospect. Er ist größer und hat keine Verletzungsprobleme wie der junge Hawaiianer. Trotz allem ist er für mich einer der besten Quarterback Prospects der letzten Jahre.  Die Bälle sind bei ihm auf den Punkt. Ich habe keinen Quarterback in den letzten Jahren gesehen, der den Ball so gut platziert und so seinen Receivern nicht nur eine sehr gute Chance gibt, den Ball zu fangen, sondern auch nach dem Catch ordentlich Yards zu machen. Er kann improvisieren, wenn er unter Druck ist. Der Arm ist mehr als ausreichend und er kann Verteidigungen auch tief attackieren. Wenn Tagovailoa fit ist, hat er eine richtig gute Chance ein Top 5 NFL Quarterback zu werden.

SLEEPER

JULIAN BARSCH – SATURDAY KICKOFF PODCAST: TYLER HUNTLEY (UTAH)

Beim Sleeper QB hatte ich sowohl Cole McDonald von Hawaii und Tyler Huntley von Utah auf dem Zettel. Ich entscheide mich hier mal für den zweiten. Huntley hat vor allem im letzten Jahr großen Erfolg mit Utah gehabt und lange galt man als Kandidat für das College Football Playoff. In meinen Augen ist er mit Jalen Hurts der athletischste Quarterback in dieser Klasse, wobei die beiden ganz unterschiedliche Typen von Athlet sind. Huntley ist nicht so bullig, dafür aber etwas agiler. Sein Arm ist nicht besonders stark und vor allem sehe ich im Pre-, aber auch Post-Snap Processing noch so einige Probleme. Sein Pocket Movement ist jedoch gut, er kann Pässe unter Druck an den Mann bringen und bei der Accuracy sind mir vor allem die tiefen Pässe positiv aufgefallen. Am Ende ist der 22-Jährige einer für den dritten Tag, ein spannendes Skillset bringt er aber trotzdem mit.

JAN WECKWERTH – TRIPLE OPTION BLOG: JAKE LUTON (OREGON STATE)

Insgesamt gefällt mir die Auswahl der QB-Klasse in den mittleren und späten Runden (also außerhalb der Top 7 QBs) nicht besonders gut. Wer auf einen Pocket-QB mit schnellem Release, einer guten Accuracy und einer gewissen Gamer-Mentalität steht, der allerdings nicht den besten Arm hat und mehr außerhalb seines vorgegebenen Systems denken muss, sollte sich Anthony Gordon von Washington State betrachten, den Nachfolger von Gardner Minshew im Air Raid-System von HC Mike Leach. Wer einen QB mit richtig starkem Arm bevorzugt, der allerdings noch an Genauigkeit/Ball Placement und an der Varianz seiner Wurfstärke feilen muss, findet in James Morgan von FIU einen Kandidaten.

Ich gehe mal noch ein Regal tiefer und stelle Oregon States Jake Luton vor. Luton ist ein sehr großer, eher immobiler Pocket-QB mit vernünftigem Arm. Release und Wurfspirale des Balles sind okay. Mir gefällt seine Pocket Presence grundsätzlich, da steht er wie ein Turm, der den Ball oft gerade noch loswird, bevor es bei ihm einschlägt. Luton macht wenige fürchterliche Throws, andererseits riskiert er auch zu wenig und wähl zu oft die Sicherheitsvariante. Nicht mehr der Jüngste und hat eine Verletzungsgeschichte. Könnte sich vielleicht zu einem sinnvollen Backup entwickeln. Wie gesagt, aus meiner Sicht geben die späteren Runden da nicht so viel her.

PETER SCHINDLER – STUDENT SECTION PODCAST: ANTHONY GORDON (WASHINGTON STATE)

Mike Leachs Air-Raid-Offense gilt zwar als extrem Quarterback-freundlich, aber das wertet Anthony Gordons Skills in keinster Weise ab. Er ist ein risikofreudiger Passer, der den Ball über die gesamte Breite und Länge des Feldes platzieren kann. Sein Release auf kurzen Wurfdistanzen gefällt mir ebenfalls. Leider trifft ab und an sehr fragwürdige Entscheidungen und ist mit knapp 24 Jahren vermutlich zu alt für eine wesentliche Weiterentwicklung, aber ein Mid-Round-Pick rechtfertigt er allemal.

CHRISTIAN SCHIMMEL – DERDRAFT.DE: JACOB EASON (WASHINGTON)

Der Punkt ist, einen wirklichen Sleeper Quarterback, der in den Mid Rounds gepickt wird und sich dann zum Starter entwickelt, sehe ich nicht. Eason kommt mir aktuell in den Big Boards zu schlecht weg. Er hat mit seinen physischen Fähigkeiten die Chance, in der NFL zu starte. Ich bin sehr gespannt, wann an Tag 2 Eason gepickt wird.

Lieblingsspieler

PETER SCHINDLER – STUDENT SECTION PODCAST: TUA TAGOVAILOA (ALABAMA)

Zugegeben eine langweilige Auswahl aber auf Tua zu verzichten, ging nicht.  Der Hawaiianer war ein ungewöhnlicher Quarterback für Alabama-Verhältnisse. Während QBs vorhin Spiele verwalteten, welche durch die Defense und das Laufspiel gewonnen wurden, dominierte Tuas Spiel die Offense der Crimson Tide. Er ist mobil und seine Genauigkeit im Passspiel über kurze und mittlere Distanzen ist phänomenal. Unter Druck bleibt er genauso cool wie in einer cleanen Pocket. Im Zweifel kann er ein Play auch souverän mit seinen Beinen extenden. Was er nicht so drauf hat, sind die langen Bälle und in einigen Fällen sind seine Escape-Moves zu waghalsig, was ihm in der NFL bei extra harten Hits zum Verhängnis werden könnten. Dennoch bleibt er durch sein Skill-Set ein Top-5 Pick.