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Beyond the Horizon 33 – Draft Special: Offensive Line

9 min read

Der NFL Draft 2020 findet zwar nicht wie ursprünglich geplant in Las Vegas statt, aber die NFL scheint am geplanten Termin mit einem Online Draft und Videoübertragungen an der Veranstaltung festzuhalten. In Beyond the Horizon werden wir Euch in den kommenden Tagen unterschiedlichen Positionsgruppen die Top Prospects, aber auch Sleeper, vorstellen. Dies geschieht aber nicht durch uns, sondern gleich durch vier deutschsprachige Experten, die sich viel mit College Football auseinandersetzen und ihr Wissen in Blogs und Podcasts teilen. Wir freuen uns sehr über die Teilnahme und Expertise von Jan Weckwerth vom Triple Option Blog, Christian Schimmel von DerDraft.de, Peter Schindler vom Student Section Podcast und Julian Barsch, der Gastgeber des Saturday Kickoff Podcast ist.

Vier Offensive Tackles in den Top 15?

Verschwenden wir keine Zeit und blicken auf die erste Positionsgruppe. Wir beginnen mit der Offensive Line, die zumindest bei den Tackles viele starke, aber auch unterschiedliche Prospects an den Start bringt. Glaubt man diversen Draftboards, könnten in der ersten Runde fünf Tackles oder mehr von den Teams gepicked werden. Dagegen scheint die Interior Offensive Line abzufallen und weder in der Spitze, noch in der Breite mit den Offensive Tackeln mithalten zu können. Unsere vier College Experten stellen nun ihre Top Prospects und Sleeper vor. Viel Vergnügen!

TOP PROSPECT OFFENSIVE TACKLE

JAN WECKWERTH – TRIPLE OPTION BLOG: OT JEDRICK WILLS (ALABAMA)

In einer starken OT-Klasse fällt meine Wahl (wenngleich knapp) auf Jedrick Wills von Alabama. Noch im Sommer war er in Draftkreisen noch unter ferner liefen, doch das hat sich nach einer exzellenten Saison geändert. Wills spielt RT bei der Tide und ist technisch bereits sehr weit. Er verfügt über ein herausragendes Pass Set mit kontrollierten Steps aus dem Stance mit hoher Kadenz und wählt in der Regel den richtigen Winkel gegen den heranstürmenden Edgerusher (kann diesen im Notfall aber auch schnell anpassen). Er ist sehr beweglich, lässt sich schwer aus der Balance bringen und auch mit einem Bullrush nicht überraschen. Wills hat eine gute Awareness und reagiert stark auf Blitzes und Stunts. Im Laufspiel zeigt sich seine Power im Oberkörper und in den Armen sowie sein Leg Drive. Aufgrund seiner Mobilität ist er fix im 2nd Level und lokalisiert den zu blockenden Gegner verlässlich.

Wills ist für einen NFL-Tackle allerdings nicht sehr lang (bezogen auf Größe und Armlänge), von daher ist abzuwarten, wie er (als LT) gegen die besten Outside Speedrusher der NFL agieren wird. Ab und an zeigen sich Anfälligkeiten gegen einen Counter Move des Passrushers nach innen. Zudem ist seine Handarbeit noch etwas eindimensional und wird in der NFL nicht im gleichen Maße wie im College funktionieren. Trotz dieser Fragezeichen ist Wills für mich ein potenzieller Starter ab der ersten Woche.

PETER SCHINDLER – STUDENT SECTION PODCAST: OT MEKHI BECKTON (LOUISVIELLE)

Becton hat nicht nur eine beeindruckende Statur, sondern bewegt sich extrem filigran für seine Größe und Masse. Er spielte 2019 eine überzeugende Saison als Left Tackle bei den Louisville Cardinals. Er wurde zwar vergleichsweise wenig in echten Pass-Sets eingesetzt, aber bei Playaction -und Screen-Plays sah sehr solide aus. Durch seine Statur ist er der natürliche Runblocker und hat dort seine großen Stärken. Das mag vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt zur passlastigen NFL passen, aber ich schätze sein Ceiling sehr hoch ein. Wenn er noch an seiner Technik arbeitet und diese dann mit seiner unfassbaren Kraft kombinieren kann, dürfte er mehr als verlässlicher Tackle in der NFL werden.

JULIAN BARSCH – SATURDAY KICKOFF PODCAST: OT JEDRICK WILLS (ALABAMA)

Zwar haben wir bei den Offensive Tackles vier bzw. fünf starke Talente in diesem Draft. Jedrick Wills von Alabama ist dabei aber klar die Nummer 1 in meinen Augen. Auch wenn er sicherlich etwas länger sein könnte, um ein prototypischer Tackle zu sein, bringt er vor allem als Pass Protector alles mit. Er spiegelt sein Gegenüber hervorragend, hat eine starke Base, schnelle und aktive Füße und kontrolliert das Duell mit toller Hand Usage. Auch als Run Blocker überzeugt er mich. Tristan Wirft & Co. sind zwar ebenfalls stark, zu Wills fehlt da für mich aber einiges.

CHRISTIAN SCHIMMEL – DERDRAFT.DE: OT ANDREW THOMAS (GEORGIA)

Es ist an der Spitze eine wirklich gute Tackle Klasse. Ich denke, dass wir bis zu sechs Spieler dieser Positionsgruppe in der ersten Runde sehen könnten. Mein OT1 ist Andrew Thomas von den Georgia Bulldogs. Er ist ein Spieler, der im Lauf den Unterschied macht, in dem er regelmäßig Gegenspieler weiter von der Anspiellinie wegschiebt. Sein Handeinsatz und Pass Set heben ihn dabei ab. Er ist zudem ein sehr aktiver Spieler mit langen Armen. Es gibt Prospects, die schnellere Füße haben als Thomas, im Gesamtpacket sehe ich ihn trotzdem vorne.

TOP PROSPECT INTERIOR OFFENSIVE LINE

JAN WECKWERTH – TRIPLE OPTION BLOG: C CESAR RUIZ (MICHIGAN):

Ich mag die ganze Interior Offensive Line Klasse nicht wirklich. Wenn, dann würde ich mich wohl für Center Cesar Ruiz von Michigan entscheiden, wobei ich den niedriger habe als die meisten Draftseiten. Ruiz ist ein athletischer Center, der nach dem Snap schnell aus seinem Stance kommt. Er bringt einige Beweglichkeit, so dass er auch auf Blitzer durchs A-Gap reagieren kann. Er hat eine tiefe Base und grundsätzlich gute Leverage. Gegen Bullrushes beweist er meist einen soliden Anchor, könnte dabei kraftmäßig allerdings noch zulegen. Die Handarbeit ist ebenfalls noch inkonstant, doch wenn er seine riesigen Pranken im Run Block an den Gegner bekommt, ist es um den meist geschehen. Sein Blocking beim Pullen ist noch ausbaufähig: Er ist athletisch, aber noch kein guter Blocker in Space, da er teilweise Probleme hat, einen Gegner zu stellen. Obwohl seine Länge (Körper und Arme) absolut okay ist, hat er gefühlt keine große Reichweite. Ich habe einige Interior O-Liner ähnlich hochgerankt, was für Ruiz letztlich den Ausschlag gab, ist die Relevanz des Passblocks in der heutigen NFL und nicht zuletzt schlicht sein Alter: Er ist erst 20 Jahre jung und dafür in punkto Erfahrung (3 Jahre Starter bei den Wolverines), Technik und auch Physis schon ziemlich weit, könnte aber eben noch richtig zulegen.

JULIAN BARSCH – SATURDAY KICKOFF PODCAST: C CESAR RUIZ (MICHIGAN):

Als besten Interior Offensive Line Spieler im Draft habe ich Cesar Ruiz, den ich Ende der zweiten bis Anfang der dritten Runde sehe. Er ist zum Zeitpunkt des Drafts nicht einmal 21 Jahre alt und überzeugt schon mit guter Awareness. Außerdem gefällt mir die funktionale Stärke, die Movement Skills und seine Vielseitigkeit als solider Blocker im Pass und Run Blocking.

CHRISTIAN SCHIMMEL – DERDRAFT.DE: G BEN BREDESON (MICHIGAN)

Zur Wahrheit gehört, es gibt keinen IOL Prospect ohne Fragezeichen. Die Klasse ist meiner Meinung nach alles andere als gut. Tyler Biadasz (Center, Wisconsin) oder Netane Muti (Guard, Fresno State) hatten mit der Konstanz, oder etlichen Verletzungen zu kämpfen. Der „sicherste“ Pick in dieser Positionsgruppe ist meiner Meinung nach Ben Bredeson von Michigan. Er verfügt über eine gute Balance, viel Spielintelligenz und ist nur schwer außerhalb der richtigen Position zu bringen. Bredeson ist kein überragender Athlet, bringt aber alles mit, um sich früh in der NFL zu etablieren.

PETER SCHINDLER – STUDENT SECTION PODCAST: C CESAR RUIZ (MICHIGAN):

Ich gehe nicht davon aus, dass Ruiz in der ersten Runde vom Board geht, aber er ist dennoch der aus meiner Sicht beste IOL der Draft-Klasse. Es ist schön anzusehen, wie schnell er aus seinem Stants kommt. Darüber hinaus verfügt über sehr gute Hände und kontrolliert die Verteidiger sehr gut, gerade auch auf dem 2nd Level. Sein Alter spricht auch für ihn, da er mit knapp 21 Jahren noch Potenzial für eine massive Weiterentwicklung hat. Diese Entwicklung wird er auch brauchen, denn es gibt deutlich athletischere Spieler auf dieser Position.

SLEEPER

CHRISTIAN SCHIMMEL – DERDRAFT.DE: G DANNY PINTER (BALL STATE):

In der Tackle Klasse gibt es nur wenige Day 3 Spieler, denen ich viel zutrauen würde. Am ehesten noch Alex Taylor von South Carolina State. Dementsprechend stelle ich mich mit Pinter einen Spieler vor, der im College erst die letzten beiden Jahre Offensive Tackle gespielt hat und in der NFL vermutlich nach innen rückt. Pinter war vorher Tight End und legte eine erstaunlich gute Combine hin. Teams werden mit ihm Geduld haben müssen. Die mangelnde Spielerfahrung merkt man ihm auf dem Platz schon an. Aber er hat Talent und Athletik, um es in der NFL zu schaffen.

PETER SCHINDLER – STUDENT SECTION PODCAST: OT EZRA CLEVELAND (BOISE STATE)

Großer, physisch starker Left Tackle, der sich sehr geschmeidig bewegen kann. Im Gegensatz zu Becton ist er sowohl in Pass- als auch Laufsituationen sehr konstant. Seiner 2019er-Saison war zwar überzeugend, aber Boise State spielte nicht den schwierigsten Schedule. Sein Spielverständnis ist ebenso ausbaufähig, wie diverse Fundamentals. Er könnte auch noch mehr aus seiner Physis machen. Dennoch glaube ich, dass er ein Talent ist, welches nach einiger Zeit durchaus Starterpotenzial haben wird. Er könnte relativ früh an Tag 2 vom Board gehen.

JAN WECKWERTH – TRIPLE OPTION BLOG: RT LUCAS NIANG (TCU)

Er ist kein wirklicher Sleeper, aber es mehren sich die Gerüchte, dass RT Lucas Niang von TCU in den dritten Tag fallen könnte. Grund dafür ist seine Hüft-OP, die im Herbst zu seinem Saisonaus führte und nun aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht vernünftig evaluiert werden kann. Niang ist ein großer OT mit guter Länge und einer überraschenden Beweglichkeit. Er wird nie einen Ästhetik-Preis für seinen Passblock gewinnen, doch war der dank seines Mirrors extrem effektiv (übrigens selbst, als er wegen seiner Verletzung 2019 kaum noch adäquates Footwork einsetzen konnte). Niang verfügt über einen starken Punch mit seinen großen kräftigen Händen. Im Run Blocking hat er seine Gegner mit seiner Länge und Kraft oftmals dominieren können. Er ist kein schlechter 2nd Level Blocker, aber auch hier fehlt noch ein wenig das Feintuning. Sollte die Hüfte vollständig genesen sein, wartet hier ein aus meiner Sicht klarer Starter-Kandidat in den mittleren Runden. Wer Top-Passrusher trotz ausbaufähiger Technik derart unter Kontrolle hält, kann es noch weit bringen. Dennoch ist Niang insbesondere unter den aktuellen Umständen sicherlich ein Risikopick.

JULIAN BARSCH – SATURDAY KICKOFF PODCAST: BEN BARTCH (SAINT JOHN’S):

Wahrscheinlich gilt Ben Bartch nicht mehr als Sleeper, aber ich nenne ihn hier trotzdem. Als Division III Prospect hat er gegen sehr schwache Konkurrenz gespielt, er bringt aber trotzdem spannende Traits mit. Beim Senior Bowl konnte er gegen Prospects wie Javon Kinlaw überzeugen.