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49ers Germany

Official 49ers Fan Chapter, part of Niner Empire.

Spotlight: Offense Personnel Groupings

13 min read

Die zwölfte Ausgabe des Niners Huddle – Der 49ers Germany Podcast war die Premiere des Spotlights als eigenständige Ausgabe. Das Thema unserer Taktikecke waren die Personnel Groupings. In der Podcastfolge sind wir auf die am häufigsten verwendeten Personnel Groupings eingegangen: 11-, 12- und vor allem 21-Personnel. Über diese drei hinaus blicken wir noch auf 22-, 10- sowie 20-Personnel. Dazu gibt es keinen Ausblick auf die möglichen Veränderungen durch weitere Spread- und Air Raid Elemente.  

VERÄNDERUNG IM WANDEL DER ZEIT

Die Personnel Groupings bilden auch die Veränderungen in den Offensive Schemes der NFL wieder. War der Vorwärtspass früher verpönt und galt als unfair, ist die NFL wie wir sie heute kennen eine absolute Passing League geworden. Dies spiegelt sich natürlich auch beim Personal auf dem Feld wieder. Als das Laufspiel noch dominierte, waren weniger Receiver aber dafür mehr Tight Ends, Running Backs und auch Fullbacks auf dem Feld. Heute möchten und die Offensive Coordinators immer mehr Speed aufs Feld bringen und die Rolle der Running Backs wird eingeschränkt. Der klassischen Fullback, der ausschließlich zum Vorblocken und in Short Yardage Situationen verwendet wurde, ist praktisch nicht mehr existent.

Grundsätzlich erkennt man das Personal auf dem Feld an der Namensgebung. Die erste Zahl gibt die Anzahl der Running Backs auf dem Feld an, während die zweite Zahl die Anzahl der Tight Ends wiedergibt. Als Beispiel sei hier das 21-Personnel angeführt. Es befinden sich zwei Running Backs und ein Tight End auf dem Feld. Dazu kommen zwei Receiver, die in der Nummerierung nicht genannt werden. Mit dem Quarterback und den fünf Offensive Linern (ein Center, zwei Guards und zwei Tackle) kommt die Offense auf elf Spieler.   

11-Personnel

11-Personnel

Das 11-Personnel besteht aus einem Running Back, einem Tight End und drei Wide Receivern. Mittlerweise ist dies die Standard Aufstellung für die meisten Offenses in der NFL geworden. 2019 erfolgten 60% der offensiven Snaps in der kompletten NFL aus 11-Personnel heraus. Spitzenreiter unter den Teams in der Verwendung dieser Formation waren die Cincinnati Bengals (76%) vor den New York Giants (74%) und den Seattle Seahawks sowie Los Angeles Rams mit 73%. Dagegen benutzten die Minnesota Vikings mit lediglich 26% das 11-Personnel am wenigsten. Auch die Arizona Cardinals (36%) und die San Francisco 49ers (40%) liegen deutlich unter dem Ligaschnitt.

In den vergangenen Jahren kommen immer mehr Spread Formationen und auch Air Raid Elemente in die NFL. Dies verlangt nach mehr Receivern und immer mehr Geschwindigkeit. Aus diesem Grund ist 11-Personnel die derzeit dominierende Personalgruppe in einer NFL Offense geworden. Was aber nicht bedeuten muss, dass dies auch in den kommenden Jahren so bleibt. Mit vier Receivern (drei Wideouts und einem Tight End) an der Line of Scrimmage muss die Verteidigung vier unmittelbare vertikale Bedrohungen im Auge behalten und gleichzeitig sieben Gaps für ein mögliches Running Game verteidigen.

Der Tight End kann auch zur Pass Protection eingesetzt werden und bildet dann im Extremfall mit dem Running Back und den fünf Offensive Liners einen sieben Mann starken Passschutz. Das 11-Personnel ermöglicht es der Offense mit den Formationen kreativ zu werden. Die Angreifer können sich in einer Dreierformation („Bunch-Formation“) aufstellen, um ihren besten Receiver auf einer Seite zu isolieren. Man kann sich in einer Zweierformation aufstellen, um das Gleichgewicht zu halten. Oder man spielt lässt den Running Back, der zunächst im Backfield aufgestellt ist, in Motion gehen und sich dann außen als Receiver aufstellen. Dies nennt man dann Empty Backfield.

12-Personnel

12-Personnel

Mit einem Running Back, zwei Tight Ends und zwei Wide Receivern formiert sich das 12-Personnel. Mit 20% der gespielten Offense Snaps ist es die am zweithäufigsten Personalgruppe in der NFL. Die Philadelphia Eagles nutzten das 12-Personnel mit 52% mit weitem Abstand am meisten in der Saison 2019. Mit großem Abstand folgten die Minnesota Vikings (34%) vor den Houston Texans (30%). Die Los Angeles Chargers sind das Team in der NFL, welches 12-Personnel am wenigsten einsetzt (8%).

Die Vielseitigkeit in der Formation, die sich durch zwei flexible Tight Ends auf dem Spielfeld ergibt, lockt eigentlich jeden Offensive Coordinator und Quarterback an. Aber man muss das Personal dafür haben. Man benötigt zwei Tight Ends, die zum einen gut blocken können, aber auch starke Waffen im Passspiel sind. Dazu darf das Team nicht einfach auszurechnen sein.

Wenn ein Team aus einem "No-Huddle" herausoperieren will, ist 12-Personnel in der NFL der beste Weg dies zu tun. Die beiden Tight Ends schaffen acht Gaps, die die Defense im Auge behalten muss, während im Passspiel immer noch vier unmittelbare vertikale Bedrohungen bestehen. Das macht die Entscheidung, einen Safety in die Box zu werfen, um den Lauf zu verteidigen, zu einer schwierigen Entscheidung.

12-Personnel der Eagles 2019

12-Personnel der Eagles

Die Philadelphia Eagles sind eine der wenigen Mannschaften in der NFL, die über das Personal verfügen, konsequent und konstant zwei starke und flexibel einsetzbare Tight Ends aufs Feld zu schicken. Mit Zach Ertz und Dallas Goeddert, der die Analysten mit seiner Blockfähigkeit als Rookie überraschte, könnte (und sollte) Philly 12-Personnel noch mehr einsetzen. Ertz mag kein großer Blocker sein, aber wenn die Teams ihn nicht wie einen dritten Receiver behandeln und in der Base Defense bleiben, können die Eagles ihn einfach in ein Matchup gegen einen Linebacker oder Safety schicken. Bleiben beide Safeties als Blocker in der Formation und die Defense stellt die Box und alle acht Gaps zu, sind die Wide Receiver DeSean Jackson und Alshon Jeffery im Duell 1-gegen1- Outside!  Viel Glück dabei, Defensive Coordinators.

21-Personnel

21-Personnel

Mit zwei Running Backs und einem Tight End sowie zwei Wide Receivern war 21-Personnel lange Zeit das Non plus Ultra in der NFL. Der Siegeszug des Passes verdrängt 21-Personnel immer weiter und so wurden 2019 lediglich 8% aller offensiven Plays mit diesem Personal auf dem Feld gespielt. Spitzenreiter sind hier die San Francisco 49ers mit 28% vor den Minnesota Vikings mit 21% und den New Orleans Saints mit 18%. Das krasse Gegenbeispiel sind die Los Angeles Rams. Das Team von Head Coach Sean McVay spielte in der letzten Saison nicht ein einziges Play mit 21-Personnel auf dem Feld.

Immer mehr Speed und mehr Receiving Talent auf dem Feld haben die Position des Fullbacks fast überflüssig gemacht. Damit brach ein wichtiger Bestandteil des 21-Personnel weg. Für den Fullback kam ein dritter Wide Receiver aufs Feld und veränderte damit auch die Defense. Denn dort fiel im Gegenzug ein Linebacker weg und wurde durch einen dritten Cornerback ersetzt. Aber 21-Personnel feiert ein kleines Comeback - nur, dass statt des traditionellen Fullbacks nun ein Fullback/Tight End-Hybrid zum Einsatz kommt.

Der Fullback ist der Schlüssel in dieser Personalgruppe. Er agiert als flexibler Blocker oder auch als Receiving oder Running Back. Mit einem zusätzlichen Blocker im Backfield kann die Offensive im Lauf- und Aktionspassspiel kreativer werden. Dieser Rückraumblocker schafft eine "bewegliche" Lücke. Die Verteidiger wissen nicht, wo er sich als Blocker in die Line of Scrimmage einfügt, was es schwierig macht, konkrete Einteilungen für die Weak- bzw. Strong Side aufzustellen (siehe dazu die Aufgaben der Linebacker aus dem Spotlight zur 4-3 Defense bzw. Techniques & Gaps). Mit zwei Running Backs auf dem Feld kann die Offense auch „downhill“ angreifen – dies muss die Verteidigung berücksichtigen – und öffnet dadurch Raum auf dem Feld.

21-Personnel der 49ers

21-Personnel der 49ers

Der Einsatz von 21-Personnel durch die New England während ihres Super-Bowl-Runs wurde als Sieg für die Football-Puristen gefeiert, die sich nach einer Rückkehr zu den Tagen der Zwei-Back-Offensive sehnen. Die Wahrheit ist jedoch, dass New England trotz des hohen Einsatzes in diesen Spielen nicht sehr effizient war. Dagegen operieren die 49ers äußerst effizient mit dieser Personalgruppe auf dem Feld. Bei keinem anderen Team (vielleicht noch bei den Baltimore Ravens) sind die Lauf- und Passspielzüge derart aufeinander aufgebaut und ineinander verzahnt.

Schlüsselspieler: Fullback Kyle Juszczyk

Der Schlüsselspieler für das Team von Kyle Shanahan ist Kyle Juszczyk, der wie ein Fullback blockt, aber sich auch im Slot aufstellen und sehr gut Routen laufen kann. Dies hat man zuletzt auch im Super Bowl gegen die Kansas City Chiefs gesehen.  Auch der aufstrebende Superstar George Kittle ist ein sehr guter Blocker, der es Kyle Shanahan ermöglicht, mit seinen Laufentwürfen kreativ zu werden. Shanahan ist für sein Outside Zone Running Game bekannt, aber die 49er können sich anderen Konzepten zuwenden, wenn die Verteidigung sich darauf eingestellt hat. Einen ersten Geschmack davon, was Shanahan mit einem Running Back wie Tevin Coleman, der einer der besseren Receiving Backs in der Liga ist, alles anstellen kann, hat man letzte Saison bereits gesehen. Der Head Coach der 49ers kann so kreativ mit Formationen umgehen, wie es seine Vorstellungskraft zulässt.

Mit der Genesung von Running Back Jerick McKinnon und der Addition von Receivern wie Brandon Aiyuk und auch Jalen Hurd (ein Running Back/Wide Receiver Hybrid) dürften die 49ers in 21-Personnel noch schwerer auszurechnen sein. Gerade wenn McKinnon mit Juszczyk, Kittle, Hurd und Samuel in Kombination auf dem Feld steht, wird die Defense nicht vorhersehen können, ob man nun mit einem Outside Zone Running Game (über McKinnon, Hurd oder sogar Samuel), einem kurzen Passspiel (Slant auf Hurd, Kittle, Samuel oder McKinnon) oder sogar einer tiefen Route (Kittle, Samuel, Hurd) konfrontiert wird. Sollte man alle gerade genannten Varianten abgedeckt haben, stellt sich für die Defense immer noch die Frage: Was macht Juszczyk?

22-Personnel

22-Personnel

Bei 22-Personnel sind zwei Running Backs, zwei Tight Ends und nur noch ein Wide Receiver auf dem Feld. Dies ist oftmals bei Short Yardage oder Goal-Line Situationen der Fall. Wenn Teams den Ball wirklich auf den Boden laufen wollen, verwenden sie 22-Personnel. Es bietet alle Vorteile von 21-Personnel in Bezug auf die Vielfalt des Laufspiels und fügt ein zusätzliches Gap hinzu – damit sind es vier auf jeder Seite des Centers. Gleichzeitig hält es durch die zwei Tight Ends und einen Wide Receiver drei unmittelbare vertikale Bedrohungen im Passspiel aufrecht.

Wenn eine Offensive zwei Tight Ends an beiden Ende der O-Line und einen Running Back aufbieten, der Routen laufen kann, kann 22-Personnel eine Verteidigung terrorisieren. Angriffe können die Verteidigung leicht in die Breite ziehen und zu einem Missverhältnis gegen einen langsam laufenden Verteidiger führen. Genau das taten die New England Patriots beim Winning Drive im Super Bowl 53. Sie liefen sogar dreimal hintereinander dasselbe Play, und die Rams hatten keine Antwort darauf.

22-Personnel der Saints

22-Personnel der Saints

Die Saints mögen zwar nicht mit 22-Personnel die Liga anführen, aber sie waren bei weitem die explosivste Mannschaft, wenn sie in diesem Personal aufgestellt waren. Die Baltimore Ravens setzen am meisten auf 22-Personnel und haben immerhin 175 Plays daraus absolviert. Ligaweit sind 2019 4% aller Offensive Plays in 22-Personnel absolviert worden.  

Drew Brees führte die Liga 2018 mit 16 Plays aus 22-Personnel an und warf bei fast 25% dieser Würfe einen Touchdown. Die Hinzunahme von Tight End Jared Cook sollte diese Plays effizienter und vielseitiger machen. Er kann sich sowohl an der Line als auch als zweiter "Wide Receiver" zu dem nicht zu verteidigenden Michael Thomas gesellen. Dasselbe gilt für Alvin Kamara. Mit Taysom Hill als zweiten Running Back wird dies zu einem Alptraum für die Defense.

Sollte eine Defense versuchen, mit der Base Formation die acht möglichen Gaps zu verteidigen, kann Sean Payton schnell aus dieser Formation mit Motion eine weite Aufstellung machen und sich mehr oder weniger ein Miss Match aussuchen. Davon dürfte es dann gleich mehrere auf dem Feld geben.

10-Personnel

10-Personnel

Während 10-Personnel gerade im College sehr populär geworden ist, hat die Begeisterung in der NFL noch nicht Einzug gehalten. Das könnte sich bald ändern, wenn Kliff Kingsbury und andere Gefolgsleute die Liga infiltrieren. Bei 10-Personnel ist ein Running Back, kein Tight End und vier Wide Receiver auf dem Feld. Wird der Running Back dann auch noch in Motion geschickt und stellt sich anschließen als zusätzlicher Receiver außen auf, spricht man vom Empty Backfield.  

Bei all dieser Geschwindigkeit auf dem Spielfeld wird die gegnerische Secondary, die nicht mit Blick auf die Verteidigung mit vier Receivern auf einmal aufgebaut wurde, unter Druck gesetzt. Und wenn der Quarterback gleichzeitig eine Bedrohung im Laufspiel ist, muss sich die Verteidigung immer noch darum kümmern, einen zahlenmäßigen Vorteil in der Box zu erhalten.

Spread-Formation

Die Spread-Formation verschafft dem Quarterback vor dem Snap auch ein klareres Bild, da es schwieriger ist, defensive Formationen zu verschleiern, wenn die Verteidiger einen großen Bereich abdecken müssen, um zu ihren eigentlichen Aufgaben zu gelangen. Der größte Nachteil von 10-Personnel ist die Beschränkung der Pass Protection, da es keine Tight Ends an der Linie gibt, um blitzartig angreifende Verteidiger über die Edges aufzunehmen.

Nur 3% aller Snaps der Offensiven wurden 2019 mit vier Wide Receivern auf dem Feld gespielt. Nur ein Team kam auf eine höhere Prozentzahl als 8. Die Arizona Cardinals führen mit riesigem Abstand die NFL mit 10-Personnel an. Kliff Kingsbury spielte insgesamt 310 Snaps in 10-Personnel und mehr als ein Drittel aller Snaps der kompletten Liga mit diesem Personal auf dem Feld (915). Noch in der Saison 2018 spielten die Cardinals nur ein einziges Play mit vier Receivern auf dem Feld. Mit DeAndre Hopkins, Larry Fitzgerald, Christian Kirk, Andy Isabella und Hakeem Butler im Wide Receiver Corps sollte diese Quote weiter nach oben gehen. Insbesondere weil die Cardinals auch in ihre Offensive Line investiert haben.  

20-Personnel

20-Personnel

Das 20-Personnel ist eine weitere wenig verbreitete Gruppierung, die im College Football weitaus beliebter ist. Zwei Running Backs und drei Wide Receiver sind auf dem Feld – aber kein Tight End. Für die NFL wird 20-Personnel aber interessanter, wenn man zum einen guten Receiving Back und womöglich einen Hybrid Fullback/Tight End im Team hat. Der Nachteil der Formation liegt auf der Hand. Ohne Tight End in der Formation kann es mit einem Pass Rusher über die Edges schnell zu Druck auf den Quarterback kommen.

Auf der anderen Seite muss die Defense drei vertikale Bedrohungen durch die drei Wide Receiver beachten. Dazu ist ein Receiving Back aus dem Backfield heraus immer eine weitere Option, die man auf Seiten der Defense beachten muss. 

Jedes Team, das in einem schnelleren Tempo operiert, sollte erwägen, ein 20-Personnel-Paket zu seinem Offensivspielplan hinzuzufügen.

00-, 01,- und 02-Personnel

Diese Personnel Groupings sind alles Varianten für eine Spread-Offense. Alle drei kommen ohne einen Running Back auf dem Feld aus. Es unterscheidet nur die Anzahl der eingesetzten Tight Ends den Aufbau dieser Personnel Groupings. Alle drei vereint, dass die Defense gleich fünf vertikale Bedrohungen verteidigen muss.

In der NFL spielen diese Personalgruppen wenig bis keine Rolle. Alle 32 NFL Teams liefen in der Saison 2019 in weniger als 300 Offensiven Snaps in einer dieser drei Personnel Groups aufs Feld – bei insgesamt 33.624 Offensiven Snaps. Diese Zahl dürfte in den kommenden Jahren ansteigen. Zumindest wenn immer Spread- und Air Raid Elemente den Weg in die NFL finden.   

Die Podcastfolge des Niners Huddle zum Beitrag findet ihr unter den folgenden Links: